Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg: "Ich dachte: Dreht er jetzt komplett durch?"

Freitag, 02 De, 2016

Auch die mehrmaligen Ermahnungen von Mercedes-Teamchef Paddy Lowe, schneller zu fahren, stimmten Hamilton - aus seiner Sicht sicherlich nicht ganz unverständlich - nicht um. Seinen Verbleib in der Königsklasse hat sich der frühere DTM-Champion in seinem ersten Jahr aber in jedem Fall verdient.

Seine Mutter konnte sich mit dem nicht ungefährlichen Job eines Rennfahrers - vorgeprägt durch die Laufbahn ihres Mannes - nie wirklich anfreunden. Eine Ironie der Geschichte, wurde doch Rosberg zu Beginn seiner Karriere als verwöhntes Weltmeistersöhnchen abgestempelt, das frei von finanziellen Sorgen in der mondänen Glitzerwelt Monacos aufgewachsen war. Und mit einem Grinsen fügte er dann hinzu: "Außerdem hat er in der Zeit so viel gearbeitet wie nie zuvor". Und von diesem konnte Rosberg einiges in Sachen Leidenschaft, Disziplin und Kampfgeist lernen. Vier Jahre später hat er diese Bilanz in 206 Rennen auf 23 hochgeschraubt, stand 34 weitere Male auf dem Podium, ging 30 Mal von der Pole-Position ins Rennen und darf sich seit dem vergangenen Wochenende Formel-1-Weltmeister nennen. Seinen WM-Pokal erhält der Werksfahrer am Freitag in Wien, ehe es am Wochenende ins Mercedes-Werk nach Sindelfingen geht. Rosberg war mit einer ungewöhnlichen Bitte auf deutschen Boden zurückgekehrt. Der „Corriere dello Sport“ schrieb: „Rosberg – der normale König.“ Womöglich war es für Rosberg die letzte Chance, im mit Abstand besten Auto die WM zu holen. "Du warst ein sehr harter Gegner". Aber es wird immer schwierig bleiben. "Wenn du an das große Ganze denkst, macht dich das nur nervös und verrückt". "Er war drei Jahre hier, hat drei Jahre gepusht, dass das Team vorankommt".

Georg Nolte (Der Medienchef): Nolte koordiniert seit 2011 die Anfragen für seinen Klienten.

Daniel Schlösser: Der Fitness-Coach. "Die letzten zwei Runden waren schon hart für mich", gestand Rosberg senior, der Weltmeister von 1982. Im Vergleich zu Hamilton sucht er seltener die Öffentlichkeit. "Wir haben es geschafft", rief er im Boxenfunk seiner Vivian zu und sendete vom Podest auch Liebesgrüße an seine einjährige Tochter Alaia. Seit diesem Jahr setzt punktuell auch ein Fotograf Rosberg in den Sozialen Medien ins rechte Licht. "Wir sahen unsere Siegchancen im Risiko", sagte Wolff, Rosberg sprach anschliessend vom "anstrengendsten Rennen meines Lebens". Die Party startete noch im Fahrerlager an der Rennstrecke, wo der Pilot mit seinem Team und seiner Familie die ersten Champagner-Flaschen köpfte. Dass Vettel in der Schlussphase Hamilton und vor allem Rosberg gefährlich nah kam, sollte man bei den Roten besser nicht überbewerten: Hamilton hätte 1,5 bis 2 Sekunden schneller fahren können, Mercedes wäre bei einem normalen Rennverlauf wie schon die gesamte Saison außer Reichweite gewesen.

Repubblica: "Die Rosberg-Dynastie: Nico ist WM-Meister wie sein Vater Keke". Er ist am Ziel.

The Times: "Champion Nico Rosberg tritt aus Hamiltons Schatten". "Ein bisschen vielleicht", sagt Rosberg selbst.

Immer wieder kamen die Anweisungen aus der Box: "Lewis, wir brauchen eine 1:49,1 für den Sieg". Der Grund: Rosberg hätte das Podium verpassen müssen, damit Hamiltons zehnter Saisonsieg noch zum Titel gereicht hätte. „Das ist eine Erfahrung mehr, die mich stärker macht.“.