Öl: Ölpreise weiter im Höhenflug am Tag nach Opec-Entscheidung

Freitag, 02 De, 2016

(Reuters) Vor den für Mittwoch geplanten Opec-Beratungen wachsen die Zweifel, ob die angepeilte Vereinbarung zur Kappung der Erdölproduktion tatsächlich zustande kommt.

Vertreter der OPEC-Staaten hatten am Mittwoch kurz vor ihrem Treffen in Wien angekündigt, dass es doch eine Einigung zur Beschränkung der Öl-Fördermengen und somit Stabilisierung des Ölpreises kommen könnte. Nun müssen die Einzelheiten dazu festgelegt werden. "Man dachte schon, die Opec wäre tot, aber mit dieser Einigung hat das Kartell wieder ein wichtiges Lebenszeichen von sich gegeben", sagte Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh. Eine "Ölschwemme" - ein Überangebot am Weltmarkt - hatte die Preise seit 2014 drastisch einbrechen lassen.

Die Opec will zunächst in den kommenden sechs Monaten 1,2 Millionen Barrel pro Tag weniger produzieren. Ab sofort werde Russland, das nicht Mitglied in der Organisation Erdöl exportierender Länder ist, seine Tagesförderung um etwa 300'000 Barrel (je 159 Liter) kürzen. Der Golf-Staat stimmte schließlich einer Drosselung von rund 500.000 Barrel pro Tag zu und trägt damit den Löwenanteil der Förderbremse. Weiter erschwert wurde eine Verständigung durch die historische Rivalität zwischen dem Iran und dem Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien. Der Grund war damals der erstmalige Strategiewechsel der erdölexportierenden Länder (OPEC). Vor allem Saudi-Arabien stemmte sich immer wieder gegen die Drosselung bei der Öl-Förderung. Iran und Irak wollten zuletzt Ausnahmen für sich beanspruchen. "Dadurch verliert die OPEC Marktanteile und den Mitgliedern entgehen wichtige Einnahmequellen". Auch andere wichtige Nicht-Opec-Länder würden auf weitere 300 000 Barrel am Tag verzichten. Eine erste Reaktion der Märkte war aber eindeutig: Der Ölpreis legte um fast neun Prozent zu. Das System funktionierte bis 2014 nahezu perfekt: Verknappte die OPEC das Angebot, stiegen die Preise an; erhöhte sie es, fielen sie wieder. "Die technologische Weiterentwicklung der Förderung und eine schwächelnde OPEC werden den Preis auf dem jetzigen Niveau stabil halten", erwartet Pfeiffer. Wegen der Unstimmigkeiten innerhalb des Ölkartells galt eine Übereinkunft auch bei diesem Treffen in Wien als wenig wahrscheinlich.