Prozesse : Fall Höxter - Gericht will Angeklagte weiter befragen

Freitag, 02 De, 2016

Genauer beleuchtete das Gericht gestern zunächst den Fall von Christel P. aus Magdeburg, die als erstes Opfer Ende 2011 für mehrere Monate einzog. Sie zeigte sich wie ihr Ex-Mann den Kameras. Seit Oktober muss sich das Ex-Paar wegen zweifachen Mordes durch Unterlassen vor dem Landgericht Paderborn verantworten. Der 46-Jährige schweigt nach wie vor, hat sich auch nicht psychologisch begutachten lassen.

"Treppe herunterstoßen", "würgen", "Bauch ins Knie rammen", "mit dem Gürtel peitschen": Angelika W. hat eine Liste mit Strafen angefertigt, mit der sie selbst und Wilfried W. Frauen in dem Haus in Höxter gequält haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien, weitere Frauen entkamen. Vor dem Landgericht Paderborn beschrieb Angelika W. ein striktes Bestrafungssystem, dem sich die Frauen beugen mussten. Das Folterpaar war inzwischen geschieden, lebte aber zusammen und gab sich als "Geschwister" aus. Was Angelika W. (47) in nüchternem Ton über ihre und die Gewalttätigkeit des bislang schweigenden Mannes auf der anderen Seite der Anklagebank berichtet, offenbart immer tiefere Abgründe. Viele der Anklagevorwürfe gehen auf ihre Aussage zurück. Er sei Zeuge gewesen, habe aber nicht selbst misshandelt.

Richter Bernd Emminghaus will immer wieder darauf hinaus, ob Angelika W. kein Mitleid mit den Frauen hatte. Sie scheint die Misshandlungen weitergegeben zu haben, die sie selbst erlebt hat.

Gegen fünf Frauen habe sie selbst Gewalt angewendet.

Die Liste der Misshandlungen, die das Duo anderen Frauen zugefügt haben sollen, ist lang. Sie habe die Frauen auch sexuell anleiten müssen: "Ich musste denen sagen: So und so will der Wilfried das". Allerdings wurde er immer angenervter von "Fehlern" der neuen Lebenspartnerin.

Uhr. Angelika W. erzählt, die Gewalttaten gegen sie seien über Jahre gegangen. Erstmals versteckt sie es beim Betreten des Saals nicht mehr hinter einem Aktendeckel. Deshalb setzten sie ein Schreiben auf, in dem Christel "bestätigt", dass es während der Zeit in Bosseborn "zu keinerlei Streitigkeiten, Diebstählen und Vergewaltigungen gekommen ist". "Sie quält mich", habe W. dann zu ihr, Angelika, gesagt. Als er er 2005 oder 2006 einmal mit dem Zug zu einer anderen Frau gefahren sei, habe sie die Chance genutzt und sei zu ihrer Mutter nach Bad Salzuflen Lockhausen geflohen. Sie bezogen sogar für zwei Nächte ein Zimmer in einer Pension, damit er ihr nicht nachstellen konnte.

Mit der Zeit und von Opfer zu Opfer sei die gewalttätiger geworden, gibt sie an. Der Verteidiger von Wilfried W. fragt, ob sie letztlich das Verhalten des damaligen Ehemanns akzeptiert habe.