Salvador Sobral: Der Mann der leisen Töne

Freitag, 19 Mai, 2017

Berlin/Lissabon. Trotz der erneuten Pleite Deutschlands beim Eurovision Song Contest (ESC) will die ARD dem Musikwettbewerb treu bleiben. Auf die Frage nach den Gründen wusste die 26-jährige Levina nach der Show in Kiew keinen Rat. Der legendäre ESC-Kommentator Peter Urban (69) vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) sagte: "Ich weiß auch nicht, woran es liegt". Im vergangenen Jahr hatte die Kandidatin Jamala mit "1944" - einem Lied über das Schicksal der Krimtataren - gewonnen und so den ESC in die Ukraine geholt. Ihre Vorgängerinnen Jamie-Lee (2016) und Ann-Sophie (2015) wurden Letzte, Ann-Sophie bekam sogar gar keine Punkte.

Deutschlands Kandidatin Levina landete unter den 26 Finalisten auf dem vorletzten Platz. Schreiber plädiert für Reformen für 2018. Zwar hatten 69 Prozent der Zuschauer beim Vorentscheid dafür gestimmt, doch da half bei der Zustimmung wohl auch der Mangel an guten Alternativen.

Salvador Sobral aus Portugal gewinnt mit einem leisen, wehmütigen Lied - ganz ohne Spektakel.

Fast vier Stunden Dauer-Show, dann stand der Gewinner des ESC 2017 endlich fest: Jazz-Flüsterer Salvador Sobral aus Portugal triumphierte! Am Ende der großen Live-Show sangen die beiden den Song gemeinsam, während Goldglitter vom Hallendach rieselte.

"Glückwunsch an Salvador Sobral und den portugiesischen Sender RTP - bei Salvadors Gesang gingen die Herzen auf".

Auch Levina, die in Bonn geboren wurde, in Chemnitz aufwuchs und heute in London und Berlin wohnt, hatte sich für einen eher reduzierten, von Grautönen dominierten Auftritt entschieden.

Nach dem ersten Schock über den vorletzten Platz - sie musste sich zwischenzeitlich die Tränen aus den Augen wischen - konnte Levina kurz darauf schon wieder lachen. "Das war aber eine wundervolle Erfahrung, die ich nicht vergessen werde", sagte sie. Sie habe so viel Spaß gehabt und tolle neue Leute kennengelernt. Nur Spanien erhielt mit fünf Punkten noch weniger Zuspruch.

Er setzte sich in der Nacht auf Sonntag deutlich gegen den ebenfalls hoch gehandelten Kollegen Kristian Kostow aus Bulgarien durch, der 615 Punkte erreichte. Drei Punkte kamen aus Irland, drei von den Zuschauern. Der Australier Isaiah schaffte mit "Don't Come Easy" den neunten Platz. In dem Land am anderen Ende der Welt hat der ESC eine große Fangemeinde.

Überlagert wurde der Wettbewerb vom Konflikt zwischen Gastgeber und Vorjahressieger Ukraine und Russland. Denn dass man der russischen Sängerin wegen eines Auftritts auf der Halbinsel Krim die Einreise verweigerte, ist eine Verletzung der ESC-Regeln. Zum anderen musste der ukrainische Präsident Petro Poroschenko seinen geplanten ESC-Besuch wegen der Zuspitzung in Awdijiwka in der Ostukraine, wo an dem Abend ukrainische Soldaten und Zivilisten ums Leben kamen, absagen.