Belgischer Minister bestätigt Fund weiterer Risse in Atomreaktor

Montag, 12 Jun, 2017

Atomkraftgegner in Belgien und Deutschland kritisieren den Betrieb des Kernkraftwerks Tihange 2 dagegen seit Jahren, weil sie das Kraftwerk für unsicher halten. Im Frühjahr 2016 hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) Belgien vergeblich aufgefordert, die beiden umstrittenen Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 bis zur Klärung offener Fragen vom Netz zu nehmen. Und auch das erst, nachdem ein Abgeordneter der Grünen im Belgischen Parlament von Innenminister Jan Jambon detaillierte Informationen verlangte.

Seit Jahren laufen Atomkraftgegner Sturm gegen die belgischen Meiler in Tihange bei Huy. Trotz der neuen Risse werde die nationale Atomaufsicht keinen Einspruch gegen das erneute Anfahren des Reaktors einlegen. Die zusätzlichen Risse seien entdeckt worden, weil die Kamera anders als bisher positioniert worden sei. Einige frühere Hinweise würden dem Minister zufolge nach der neuen Kontrolle hingegen nicht mehr als Schäden beurteilt. Das Atomkraftwerk Tihange steht nur rund siebzig Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter sprach am Samstag von einer "Laissez-faire-Mentalität europäischer Atombehörden zu Lasten der Sicherheit".

Die Grünen-Vorsitzende in Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Eingreifen auf: "Zum Schutz der Bevölkerung in NRW muss sie ihre Umweltministerin anweisen, sofort die Lieferung von Brennelementen aus Deutschland nach Tihange zu stoppen und mit der belgischen Regierung über Wege für die Abschaltung der Atomkraftwerke verhandeln". Diese Zahl sei mit der jüngsten Überprüfung um 2,22 Prozent auf 3219 gestiegen, errechnete die Organisation Nucléaire Stop. Seit 2014 ist bekannt, dass in der Hülle des Uralt-Reaktors Tausende Risse zu finden sind, die laut Angaben der belgischen Atomsicherheitsbehörde aber den Betrieb nicht beeinflussen.