PSA-Chef Tavares setzt Opel hohe Ziele

Dienstag, 13 Jun, 2017

Er bleibe Mitglied der Geschäftsführung, bis der Verkauf von Opel/Vauxhall an den französischen Autokonzern PSA abgeschlossen sei, teilte Opel mit. Der 56-Jährige werde den Aufsichtsrat bei der kommenden Sitzung am 22. Juni von dem Schritt informieren, schrieb das Blatt ohne Angabe von Quellen.

Den erwarteten Abgang von Opel-Chef Karl-Thomas Neumann kommentierte der PSA-Boss nur indirekt. Ähnlich forsch treibt PSA-Chef Tavares die Sanierungspläne voran: Opel bleiben drei Jahre, um Gewinne abzuwerfen. Er selbst wolle sich zunächst voll auf den Abschluss dieser Transaktion konzentrieren.

Michael Lohscheller wird neuer Opel-Chef. Der 48-Jähre arbeitete schon beim Gabelstapler-Spezialisten Jungheinrich, bei Daimler, Mitsubishi Europe und zuletzt bei Volkswagen und hatte Führungspositionen nicht nur im Finanzbereich, sondern auch in der IT, im Einkauf und der Logistik inne. Bis 2020 soll Opel wieder profitabel sein. Infolge des Rücktritts hat der Opel-Aufsichtsrat einstimmig Michael Lohscheller als Neumanns Nachfolger bestimmt. Zuerst meldete die Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung, dass der Sprecher der Geschäftsführung das Unternehmen verlassen möchte, sobald der Verkauf von General Motors an die französische Peugeot-Mutter PSA vollzogen ist. Viel Zeit dazu hat er nicht, denn PSA-Chef Carlos Tavares macht Druck. Die Tendenz ist klar: Trotz bereits angelaufener Arbeiten wurde vor wenigen Wochen der für 2019 geplante Opel Corsa auf eine PSA-Plattform verschoben, weil diese sehr viel kostengünstiger ist. Stattdessen sollen Unternehmensleitung und Führungskräfte binnen 100 Tagen nach der Übernahme der GM-Tochter einen Plan ausarbeiten, "wie Opel aus der Verlustzone herauskommen" kann.

Bei Opel übernimmt der verheiratete Vater zweier Kinder nun die Verantwortung für 38 000 Mitarbeiter. "Da muss man offen und ehrlich sein: Das Einzige, was Mitarbeiter schützt, ist Gewinn". Betriebsratschef Wolfang Schäfer-Klug sagte laut der Mitteilung, die Arbeitnehmervertreter begrüßten die Entscheidung für Lohscheller "ausdrücklich". Neumann wollte Opel demnach zu einem reinen Anbieter von Elektroautos umbauen. Die haben unter Tavares ihre Kosten im Griff, wie Neumann bei der gemeinsamen Entwicklung neuer Familien-Autos beobachten konnte.

Allerdings stehen Opel nach Ansicht von Experten davor noch einige harte Sanierungsschritte bevor. Neumann ist seit 2013 Chef von Opel. Insider sehen den Elektroingenieur allerdings schon als Nachfolger des angeschlagenen Audi-Chefs Rupert Stadler. Neumann war bei VW groß geworden, wechselte aber 2004 zum Zulieferer Continental und wurde dort 2008 Vorstandschef. Vor dreizehn Jahren folgte der Wechsel zum Autozulieferer Continental, den er von August 2008 bis August 2009 als Vorstandsvorsitzender führte.