Bericht: Viele Mütter duldeten Kindesmissbrauch in Familien

Mittwoch, 14 Jun, 2017

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs stellt am Mittwoch (09.30 Uhr) ihren ersten Zwischenbericht vor. Daraus geht hervor, dass sexueller Missbrauch in Familien oft geduldet wird.

Dabei komme vor allem den Müttern als Mitwissenden eine besondere Rolle zu, schreiben die Autoren. Die Untersuchung zeige aber auch, wie wenig Mütter sich bei finanziellen und emotionalen Abhängigkeiten vom Partner zu helfen wüssten. Sie treten nach den Erkenntnissen der Kommission auch vereinzelt als Täterinnen auf, viel öfter seien sie aber Mitwisser und damit auch Unterstützer der Taten. "Die Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen werden und erfordert eine stärkere Unterstützung durch die Politik", fordert auch Christine Bergmann, ehemalige Familienministerin und Mitglied der Kommission. Jugendämter und Schulen zögerten oft, in diesen "Privatraum" einzugreifen. Zu groß scheint das Tabu, sich in die Angelegenheiten einer Familie einzumischen. Denn Familienangehörige reagierten trotz ihres Wissens um die Übergriffe nicht. Sie untersucht sämtliche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik und in der DDR. Er beklagte, dass die Zahl der Fälle ungebrochen hoch sei: "Jedes Jahr gibt es mehr als 12.000 Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Kindesmissbrauchs. Das Dunkelfeld ist noch sehr viel größer", so Rörig. Ein Schritt im Kampf gegen das Totschweigen von Kindermissbrauch und damit in die richtige Richtung ist der Bericht alle Mal. Oder sie wurden über mehrere Jahre von verschiedenen Familienmitgliedern missbraucht, zunächst vom Großvater und Jahre später vom Vater. Auch der Zugang zu rituellen oder organisierten Gewaltstrukturen erfolgt nicht selten über die Familie. Viele von ihnen lebten als Erwachsene in ärmlichen sozialen Verhältnissen. Damit habe diese signalisiert, "dass die Gesellschaft bereit ist, Verantwortung zu übernehmen". Scharfe Kritik übte der Missbrauchsbeauftragte an Politik und Zivilgesellschaft: Nach den ersten großen Missbrauchsskandalen sei die Aufmerksamkeit groß gewesen. Die Bekämpfung des Missbrauchs sei in der Zeit der großen Koalition "auf politischer Sparflamme" gelaufen.