Gal Gadot kämpft mit Charme für den Weltfrieden

Donnerstag, 15 Jun, 2017

Denn Wonder Woman ist der überraschende Fall eines Blockbusters, der etwas auf erzählerische Sorgfalt hält und die eigentlich unumgängliche Regel befolgt, Attraktionen dem Fluss des Geschehens funktional unterzuordnen. Mit einer angenehmen Mischung aus Klugheit und Sensibilität kann Gadot auch die leiseren Momente des Films tragen, so dass auch das tiefliegende Leid und die melancholischen Momente, die bei diesem Schlachtenepos immer wieder eingestreut werden, gut zur Geltung kommen. Mit "Wonder Woman" läuft am Donnerstag nun auch hierzulande der Film an, der das aktuell boomende Superheldenkino ordentlich aufmischt. Ist der Film ein feministischer Meilenstein? Oder eine Frau als Regisseurin.

In vielerlei Hinsicht erzählt Regisseurin Jenkins „Wonder Woman“ wie alle anderen Superhelden-Filme auch. Weltweit spielte "Wonder Woman" bisher sogar 223 Million Dollar (198 Mio Euro) ein. Die Regie - Novum bei einer großen Comic-Verfilmung - ist ebenfalls in weiblicher Hand: Patty Jenkins legt nach "Monster" (2003) ihren zweiten Kinospielfilm vor.

Das libanesische Innenministerium hatte den Film bereits vergangene Woche verboten.

Zum Großteil ist "Wonder Woman" aber ein guter, wenn auch nicht sehr guter Action-Film, der seine weibliche Hauptfigur nicht im nervigen Gewandt des lauten Feminismus, sondern mit einer angenehmen Unaufgeregtheit vorstellt. Den öden Film von Zack Snyder konnte sie gleichwohl nicht mehr retten. Behütet und sorgenfrei wurde Diana als Tochter der Königin Hippolyta auf dem zauberhaften, vor den Augen der Welt versteckten Inselparadies Themyscira groß.

Ares hatte nämlich die altgriechischen Götter rund um den Göttervater Zeus vom Antlitz der Erde gelöscht, um dann selbst für Tausende Jahre scheinbar von der Bildfläche zu verschwinden. Es sind deutsche Soldaten, denn es tobt der Erste Weltkrieg. Aus der antiken Fantasywelt wird sie in die Hölle der Materialschlacht gerissen. Als Steve Trevor liefert Pine die passende Mischung an Lausbuben-Charme und kämpferischen Aktionismus, so dass die Chemie zwischen den beiden durchaus überzeugt. Doch die Szenen der kämpfenden Amazonen sind einfach nur WOW! "Wonder Woman ist eine Amazone, ich sollte nur eine Brust haben", sagte sie mit Blick auf die Sage, wonach Amazonen sich eine Brust abschneiden, damit sie besser mit dem Bogen zielen können. "Wonder Woman" findet ein elegantes Mittelmaß bei der Darstellung von Stärken und Schwächen der Heroine, die in den Krieg geworfen wird und am Ende immer noch edel ist. Er sublimierte mit Wonder Woman auch seinen eigenen sexuellen Wunsch "von einer Frau gebunden und gezähmt zu werden". Dort hatte Gal Gadot bereits einen vielversprechenden Auftritt als Wonder Woman. Jenkins wurde auf einem Airforce-Stützpunkt geboren - die Welt der Amazonen gestaltet sie trotzdem wie eine Wellness-Oase für ganzheitliches Heilen. Die in der Armeezeit gelernte Disziplin sowie monatelanges Training in Kampftechniken wie Kung Fu, Kickboxen, Jiu-Jitsu und Capoeira hätten sie fit gemacht, bekennt Gadot.

Der Zauber liegt im Anfang: Ein freches schönes Mädchen mit einem göttlichen Geheimnis wird zur Super-Kämpferin ausgebildet - von Robin Wright (51, "House of Cards").

Wenn sich die wunderschöne Gal Gadot im kess-kurzen Kampfröckchen und dem wohlgeformten Stahl-Bustier über weiße Kalkfelsen abseilt und dabei am Strand vor türkisblauem Meer mit Pfeil, Bogen und einem leuchtenden Lasso gegen eine Heerschar deutscher Weltkriegssoldaten zu Felde zieht, ist es um die meisten männlichen Zuschauer längst geschehen. Die Laufzeit wurde sehr gut ausgenutzt und ich denke, dass die Einnahmen in naher Zukunft noch stabil bleiben.