Attacke auf Berliner U-Bahn-Treppe: Prozess muss neu starten

Samstag, 17 Jun, 2017

Bei einer Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung droht eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Die Verteidigerin des Angeklagten, Monika Brüning, hatte einen entsprechenden Antrag gestellt.

Zu dem Angriff kam es laut Gericht in einer Nacht Ende Oktober 2016. Er soll die arglose Passantin von hinten eine Treppe hinuntergetreten haben.

Sollte der Prozess dennoch fortgesetzt werden, wird die Aussage eines psychiatrischen Gutachters womöglich maßgeblich für das Urteil.

Der angeklagte Svetoslav S. stammt aus Bulgarien. Die Frau brach sich beim Abfangversuch einen Arm und verletzte sich am Kopf. Die Frau tritt nun in dem Prozess als Nebenklägerin auf.

Die Verhandlung sollte am 15. Juni beginnen, doch noch bevor das Gericht die Anklage verlesen und die Personalien des Angeklagten feststellen konnte, wurde der Prozess unterbrochen. S. werden zudem exhibitionistische Handlungen vorgeworfen: Er soll sich in zwei Fällen vor insgesamt drei Frauen auf offener Straße entblößt und masturbiert haben. Zwei Wochen vor der mutmasslichen Attacke im U-Bahnhof soll sich der Verdächtige am helllichten Tag auf einem Parkplatz im Stadtteil Reinickendorf vor zwei Frauen entblösst und sich selbst befriedigt haben, 35 Minuten später habe er dies in einer Grünanlage vor einer Zeugin wiederholt. Während viele den Mann noch in seiner bulgarischen Heimat vermuteten, wurde er kurz vor Weihnachten in Berlin gefasst, als er auf dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) aus Südfrankreich ankam.

BILD hatte die Bilder der Überwachungskamera damals als erstes veröffentlicht, erst kurz darauf zog auch die Polizei nach.

Im Gerichtsflur sagt die CDU-Bundestagsabgeordnete Christina Schwarzer aus Neukölln, der Angriff sei skrupellos gewesen. Es sei wichtig, dass die Leute wieder ein besseres Sicherheitsgefühl bekämen.

Jetzt muss ein neuer Schöffe benannt werden.

Große Strafkammer des Landgerichts Berlin hat das Verfahren gegen den 28-jährigen Svetoslav S. wegen Befangenheit einer Schöffin ausgesetzt.