Papst würdigt Kohl als "großen Staatsmann und überzeugten Europäer"

Samstag, 17 Jun, 2017

Gut 40 Minuten lang berieten das Kirchenoberhaupt und die Bundeskanzlerin am Samstagmittag über Krisen und Konflikte.

Wegen einer Privataudienz bei Papst Franziskus am Samstagmittag flog Merkel bereits am Freitag nach Rom. "Wie Millionen andere konnte ich aus dem Leben in der Diktatur der DDR in ein Leben der Freiheit gehen".

Die Protestantin Merkel dürfte sich vom Papst Rückendeckung erwartet haben: beide stehen bei vielen Themen inhaltlich eng beieinander. Franziskus lobt darin Kohls "unermüdliches Wirken für die Einheit Deutschlands und die Einigung Europas sowie seinen Einsatz für Frieden und Versöhnung". In ihrer Kondolenzrede findet sie persönliche Worte für Helmut Kohl. Er war von 1982 bis 1998 Regierungschef von Westdeutschland, bzw. dem sogenannten wiedervereinigten Deutschland. "Er hat auch meinen Lebensweg entscheidend verändert". Vor allem die Enkelkinder hätten "sehr darunter gelitten, dass ihr Großvater für sie nicht erreichbar war". Orban pflegte ein enges Verhältnis zum deutschen Alt-Bundeskanzler. Sie trägt einen schwarzen Hosenanzug und sieht müde aus. Franziskus hat 1986 in der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt studiert und dort ein wenig Deutsch gelernt.

Und danach? "Es entspricht den Gepflogenheiten der Staatspraxis, dass Trauerbeflaggung für den Tag des Staatsaktes angeordnet wird".

US-Präsident Donald Trump beschrieb Kohl als Freund und Verbündeten der USA.

Auch Merkel ist nicht vorher von Kohls Familie informiert worden. Die Kanzlerin schließt mit den Worten: "Ich verneige mich vor seinem Angedenken". Sie übereichte eine CD-Box mit Beethoven-Musik und dazu drei große Büchsen "dulce de leche", der argentinischen Süßigkeit, die dem Papst so gut gefällt. Im offiziellen Kommuniqué des Vatikans heißt es nach der Audienz: "Im Verlauf des herzlichen Gesprächs wurden die guten Beziehungen und die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Heiligen Stuhl und Deutschland bekräftigt".