Putin würdigt Kohl als Verfechter guter Beziehungen zu Russland

Samstag, 17 Jun, 2017

"Er war ein überzeugter Europäer, der zugleich mit der Fehlkonstruktion der Währungsunion eine - von ihm nicht beabsichtigte - Entwicklung einleitete, die Europa heute in seine tiefste Krise bringt".

An die Witwe Maike Kohl-Richter schrieb Steinmeier: "Es ist ihm (Kohl) gelungen, die deutsche Einheit im friedlichen Einvernehmen und in guter Partnerschaft mit unseren europäischen Nachbarn zu erreichen". Das berichtete die "Bild"-Zeitung am Freitag ohne Angabe einer Quelle".

Kohl stürzt in seinem Ludwigshafener Haus und wird wegen eines Schädel-Hirn-Traumas operiert.

Kohl nimmt im Rollstuhl sitzend an einer Festveranstaltung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls teil. 2015 hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert, nach monatelangem Klinikaufenthalt kam er aber wieder zu Kräften. Nach Operationen lag er monatelang im Krankenhaus. Er war treibende Kraft für die EU und eine gemeinsame Währung.

Zuvor hatte Außenminister Sigmar Gabriel den Altkanzler als "großen Deutschen" und "großen Europäer" bezeichnet. Es sei Helmut Kohl gewesen, der den Begriff Vaterland in Deutschland wieder etabliert habe. Ähnlich äußerten sich zahlreiche Staats- und Regierungschefs. Dabei war der Riese aus Oggersheim niemals zimperlich in seinem Handeln - weder als CDU-Vorsitzender noch als Politiker.

Bundeskanzlerin Angela Merkel führt die Christdemokraten seit 17 Jahren. "Wir trauern um Helmut Kohl". Aber sie war es, die Ende der 90er Jahre als damalige CDU-Generalsekretärin die Partei wegen der Spendenaffäre, in die Kohl maßgeblich verwickelt war, zur Loslösung vom Übervater aufforderte. Das Verhältnis zu seinen beiden Söhnen war in den letzten Jahren zerrüttet.

Die Ministerpräsidentin würdigte auch das Wirken Kohls in Rheinland-Pfalz. 1960 heiratete er die Dolmetscherin Hannelore Renner.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat nach dem Tod von Altkanzler Helmut Kohl dessen Einsatz für die Aussöhnung und das Zusammenwachsen in Europa gewürdigt. Er habe die Gunst der Stunde genutzt, um die Wiedervereinigung herbeizuführen. "Und ja, sie sehen einen Menschen, der sehr traurig ist". Wie kein anderer habe der Altkanzler verstanden, dass die Einheit Deutschlands untrennbar mit der Einheit Europas verknüpft sei. Und: Er hat Angela Merkel entdeckt und - damals überraschend und mit einem mitleidigen Lächeln auch eigener Parteifreunde - ins Kabinett geholt. Merkel betonte: "Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat". Dieser sei "einer der größten Freunde des Staates Israel" und der Sicherheit des jüdischen Staates "vollkommen verpflichtet" gewesen.

In Deutschland würdigten Politiker über die Parteigrenzen hinweg Kohl für seinen Beitrag zur Einheit Deutschlands und Europas.

- UN-Generalsekretär António Guterres vor Journalisten in New York: "Es ist offensichtlich, welche historische Rolle Herr Kohl bei der Wiedervereinigung von Deutschland nur ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer gespielt hat und beim historischen Weg, auf den er Deutschland gebracht hat, indem er es so gut durch die Wiedervereinigung geführt hat". Vor der Ruine der Frauenkirche wurde dem Kanzler klar, dass die Signale voll auf Wiedervereinigung standen.

Mit großer Trauer, vor allem aber großem Respekt vor seiner Lebensleistung, haben Weggefährten und Politiker in aktueller Verantwortung auf die Nachricht vom Tod Helmut Kohls reagiert. "Sein Name wird auf alle Zeit verbunden bleiben mit der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes".

Bei seinem ersten Auftritt vor der Unions-Bundestagsfraktion nach 10 Jahren im September 2012 sagte Kohl: "Ich bin zu Hause, wenn ich hierherkomme". Darin schreibt er: "Ich habe seine Weisheit bewundert und seine Fähigkeit, fundierte, zukunftsweisende Entscheidungen auch in schwierigsten Situationen zu treffen". Der frühere US-Präsident Bill Clinton würdigte die "visionäre Führungskraft" Kohls. "Helmut Kohl war mir immer ein verlässlicher und freundschaftlich verbundener Partner". "Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht".

Der niedersächsische CDU-Landeschef Bernd Althusmann zeigte sich bestürzt über den Tod Kohls: "Viele Menschen sind seinetwegen in die CDU eingetreten, dazu gehöre auch ich persönlich".