Reaktionen auf Tod von Helmut Kohl "Ein Glücksfall für uns Deutsche"

Samstag, 17 Jun, 2017

Auch in Fragen der Deutschen Einheit habe Kohl großes geleistet und immer an die Wiedervereinigung geglaubt.

Die Kanzlerin betonte, Kohl habe auch ihren eigenen Lebensweg entscheidend verändert. Kohl galt als provinziell, als das komplette Gegenbild des selbst ernannten Weltpolitikers Helmut Schmidt. "Die Bundesrepublik hat einen großen Deutschen verloren".

Kohls 16-jährige Amtszeit war, ungeachtet ihres wenig ruhmreichen Endes und der dunklen Schatten, die später sein Ehrenwort in der Spendenaffäre warf, eine glückliche Zeit für Deutschland und für Europa. Politiker würdigen sein Lebenswerk - auch seine Nachfolgerin Angela Merkel. "Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht", sagte Juncker. Der frühere US-Präsident George H.W. Bush würdigte Kohl als "wahren Freund der Freiheit". "Die Einigung unseres Landes und unseres Kontinents wird auf alle Zeit auch mit seinem Namen verbunden bleiben", sagte Schröder den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

1989 ist die Zäsur im Nachkriegseuropa, 1999 aber war die Zäsur in der Aussenwirkung des Helmut Kohl: die Parteispendenaffäre. Eine Zeit, die in der Deutschen Einheit 1990 ihren Höhepunkt und ihr historisches Symbol fand. Diesem Gespür für Geschichte und den Freundschaften, die Helmut Kohl über die Grenzen hinweg schloss, dem Vertrauen, das man ihm von Washington bis Moskau, von Paris bis Warschau entgegenbrachte, haben wir Deutschen viel zu verdanken. "Im Bewusstsein der historischen Verantwortung Deutschlands machte Helmut Kohl den Weg frei für die Einwanderung der Juden aus der ehemaligen Sowjetunion". Kohl sei ein "persönlicher Freund" von Guterres gewesen, sagte sein Sprecher Stéphane Dujarric am Freitag vor Journalisten in New York. Zuvor hatte Steinmeier bereits in einem Kondolenzschreiben an Kohls Witwe die Verdienste des Altkanzlers für die Wiedervereinigung Deutschlands und den Zusammenhalt Europas gewürdigt: "Es ist ihm gelungen, die deutsche Einheit im friedlichen Einvernehmen und in guter Partnerschaft mit unseren europäischen Nachbarn zu erreichen". Niemand dieser Kritiker begriff, dass in der Provinz, konkret in der Pfalz die Kraftquelle Kohls lag, die seinen Blick auf Deutschland, auf Europa und am Ende auch die Welt prägte.

Papst Franziskus bezeichnete Kohl als "großen Staatsmann und überzeugten Europäer". Kohl hat es verdient, dass sich der Blickwinkel wandelt und sich der graue Schleier hebt. In die Geschichte aber ging der promovierte Historiker vor allem als Kanzler der deutschen Einheit ein. Kohl legte einen Zehn-Punkte-Plan zur schrittweisen Wiederherstellung der deutschen Einheit vor, der am 1. Dezember vom Bundestag gebilligt wurde. Wer waren die edlen Spender, welche der CDU mit 2,1 Millionen D-Mark unter die Arme griffen und denen Kohl Anonymität versprach? Kohl hielt sein Ehrenwort und schwieg standhaft. Bei der Berliner Feier winken neben Helmut Kohl auch Bundesminister Hans-Dietrich Genscher (l.), Ehefrau Hannelore und Bundespräsident Richard von Weizäcker (r.) von der Freitreppe des Reichstagsgebäudes.