Trauer um Helmut Kohl

Samstag, 17 Jun, 2017

Der Altkanzler starb im Alter von 87 Jahren. Seit einem schweren Sturz 2008 saß er im Rollstuhl. 2015 hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert, nach mehreren Operationen lag er monatelang im Krankenhaus. Dort traf sie am Samstag Papst Franziskus.

Als in Osteuropa in den 80er-Jahren der Geist der Freiheit zu wehen begonnen habe, sei Kohl der "richtige Mann zur richtigen Zeit" gewesen. Er habe die Gunst der Stunde genutzt, um die Wiedervereinigung herbeizuführen. Der Staatsakt zu Ehren Kohls wird voraussichtlich in seiner Heimat Rheinland-Pfalz stattfinden.

Einheitskanzler, ewiger Kanzler, Bimbes-Kanzler, Birne: Helmut Kohl hatte viele Namen.

"Wir haben Herrn Kohl sehr gemocht. Er ist total unfähig, ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen", irrt auch sein Dauer-Widersacher Franz Josef Strauß 1976. Im Sommer 2011 habe er das letzte Mal mit seinem Vater telefoniert, danach habe er ihn nicht mehr besuchen dürfen, erzählt Walter Kohl. 520 von ihnen wählen den Pfälzer Kohl nach dieser Rede zum neuen Vorsitzenden. Dem warf Kohl eine "Kapitulation vor dem Zeitgeist" vor. In Kohls Regierungszeit fiel die Umsetzung des NATO-Doppelbeschlusses, die Einführung des Euro und die friedliche Wiedervereinigung, die es ohne sein entschiedenes diplomatisches Engagement nicht gegeben hätte. Die Flick-Affäre überstand er 1984 unbeschadet, trotz 565 000 DM Schwarzgeld und einer Falschaussage vor dem Untersuchungsausschuss. Deutschland verliert eine prägende Persönlichkeit der Nachkriegszeit. "Indem er sie richtig beantwortete, machte er die Wiedervereinigung eines starken, prosperierenden Deutschlands möglich und die Schaffung der Europäischen Union". "Das Erzbistum Berlin trauert um den Kanzler der Einheit", sagte er am Freitagabend in Berlin. Mit UdSSR-Staatschef Michail Gorbatschow handelte Kohl im Juli 1990 im Kaukasus den Deal aus. "Er war ein prägender Staatsmann, und er wurde oft unterschätzt", findet er.

Nach dem Mauerfall spricht Kohl von "blühenden Landschaften" im Osten – und unterschätzt die Probleme der Wende gewaltig. Am 27. September 1998 wurde er abgewählt, es folgte Rot-Grün mit Gerhard Schröder (SPD). Seit Jahren hatten sie keinen Kontakt mehr.

"Es ist nicht damit getan, Köpfe auszuwechseln und in der Partei sonst alles beim Alten zu lassen", warnt das CDU-Mitglied Nummer 00246 am 12. März 1973 die 600 Delegierten des Bundesparteitages. Kohl gab zu, illegal Spenden in Millionenhöhe angenommen zu haben. Aber sie war es, die Ende der 90er Jahre als damalige CDU-Generalsekretärin die Partei wegen der Spendenaffäre, in die Kohl maßgeblich verwickelt war, zur Loslösung vom Übervater aufforderte. Schäuble sagte, er habe das Geld in einem verschlossenen Umschlag bekommen und weitergereicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel führt die Christdemokraten seit 17 Jahren. Am 16. Februar 2000 erklärte Schäuble seinen Rücktritt als Parteichef, Merkel wurde Nachfolgerin. Umstritten war auch Kohls Beratervertrag für Medienmogul Leo Kirch über 1,8 Millionen DM.