Weltweite Trauer um Altkanzler Kohl Von Gorbatschow bis Bush

Samstag, 17 Jun, 2017

Nach dem Tod von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl hat sich sein Sohn Walter tief betroffen gezeigt. Kohl war ein katholischer Rheinländer, dem die Einigung Europas ebenso am Herzen lag wie die Wiedervereinigung Deutschlands. Insbesondere hob er in einem Kondolenzschreiben an Kohls Witwe dessen "segensreiche Bereitschaft zur Versöhnung" mit Frankreich hervor.

Der Zweizentnermann, der eben noch aus der Zeit gefallen schien, war mit einmal auf der Höhe einer Zeitenwende, ja, er eilte ihr mit großen Schritten voran und gestaltete.

Norbert Lammert, Bundestagspräsident, bezeichnete Kohl als "Persönlichkeit von historischer Größe".

Die politische Karriere von Angela Merkel wäre ohne Helmut Kohl schwer vorstellbar. "Wir werden ihm das nie vergessen". "Seine große Stärke war es, keinen Plan zu haben", beschrieb Kohl-Biograf Klaus Dreher.

CDU-Europaabgeordneter aus Bielefeld, hat Helmut Kohl gut gekannt: "Der Tod von Helmut Kohl ist für mich ein persönlicher Verlust".

Juni im Alter von 87 Jahren gestorben. Was ist denn Ihre eindrücklichste Erinnerung an Helmut Kohl? Die Satire-Zeitschrift "Titanic" karikierte den groß gewachsenen, übergewichtigen Politiker als runde Birne mit Brille. Helmut Kohl sei ein Mann gewesen, der sehr viel für den Frieden in Europa getan habe. "Er war aufgerufen, einige der monumentalsten Fragen seiner Zeit zu beantworten", heißt es in einem von Clinton verbreiteten Statement. Das habe Reagan ungemein beeindruckt und ein "Band des Vertrauens" zwischen den beiden Politikern geschaffen.

Kohl habe Krieg gehasst, "aber Totalitarismus verabscheute er sogar noch mehr", sagte Bush. Er habe Europa mit Leben erfüllt. Seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicherte er sich, indem er knapp ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 die Wiedervereinigung Deutschlands erreichte. Ohne sein Wirken ist die deutsche Einheit nicht vorstellbar, ohne seinen unermüdlichen Einsatz für den Einigungsprozess wäre das europäische Projekt nicht soweit fortgeschritten. Dafür führte er zähe Verhandlungen in Moskau mit Michail Gorbatschow, in Washington mit George Bush, in Paris mit Präsident François Mitterrand und in London mit Margret Thatcher.

Kohl habe die historische Chance zur deutschen Wiedervereinigung ergriffen, betonte die deutsche Kanzlerin.

Helmut Kohl war ein großer Deutscher und ein großer Europäer.

Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel würdigte Kohl in einer kurzen Rede. Beides war Kohl ein großes Anliegen. "Die Bundesrepublik hat einen großen Deutschen verloren". Doch es stimmt auch, dass der Kanzler in den entscheidenden Monaten 1989/90 sehr viel richtig gemacht hat. Sein Name werde "auf alle Zeit verbunden bleiben mit der Wiedervereinigung unseres Vaterlands". Der Luxemburger Jean-Claude Juncker, Kommissionspräsident der Europäischen Union, verfügte, dass die Flaggen der 27 Mitgliedsstaaten der Union in Brüssel auf halbmast wehen. Bis zu seiner Wahlniederlage 1998 gegen Gerhard Schröder (SPD) erlebte eine ganze Generation bis dahin keinen anderen Bundeskanzler. Auch Grüne und Linke würdigten Kohl als überzeugten Europäer. "Indem er sie richtig beantwortete, machte er die Wiedervereinigung eines starken, prosperierenden Deutschlands möglich und die Schaffung der Europäischen Union". Abrechnung mit politischen Gegnern Anfang der 2000er Jahre rechnete Kohl hart mit jenen Christdemokraten ab, von denen er sich in der Parteispenden-Affäre verraten fühlte. Und im Umkehrschluss konnte man sagen: Gut, wir haben Respekt davor, dass natürlich eine Partei wie die CDU dann auch in der Sache ihre roten Linien hat und ihre Profilpunkte machen muss. So habe Kohl Rudolf Scharping und ihm nie verziehen, dass die SPD die Regierung in der Staatskanzlei in Mainz übernommen habe. Das galt für den Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz wie für den Oppositionsführer im Bundestag, für den Kanzler des Nato-Doppelbeschlusses wie für den Ruheständler, dem sein Ehrenwort über das Gesetz ging. Der ehemalige FAZ-Herausgeber hatte eine sehr persönliche Beziehung zu Kohl. Er verkörpere "die europäische Idee wie wenige andere". Im Foyer der CDU-Zentrale in Berlin wurde ein Kondolenzbuch für Helmut Kohl ausgelegt. Seine Welt teilt er vor allem in Freund und Feind ein.

Von herausragender Bedeutung sei der humanitäre Pakt zwischen Kohl und dem damaligen Präsidenten des Zentralrats, Heinz Galinski, über die Aufnahme jüdischer Emigranten aus der einstigen Sowjetunion gewesen. Weil wir spüren, dass ein Leben zu Ende ist, und dass der, der es gelebt hat, in die Geschichte eingeht.