Zahl der Toten auf 30 gestiegen

Samstag, 17 Jun, 2017

Die Zahl der Opfer bei dem verheerenden Hochhausbrand in London ist laut Polizei auf 30 gestiegen. Neben Sozialwohnungen und Büroräumen finden sich auch ein Boxclub und ein Kindergarten in dem Gebäude.

Premierministerin Theresa May sicherte den Opfern 5 Millionen Pfund (etwa 5,7 Millionen Euro) Unterstützung zu. Im Sozialbau mit 120 Wohnungen lebten britischen Medienberichten zufolge zwischen 400 und 600 Menschen.

Die Flammen fraßen sich nicht nur innerhalb kurzer Zeit nach oben, sondern durch die Eckwohnungen auch rund um den Grenfell Tower. 65 Menschen wurden von der Feuerwehr aus den Flammen gerettet, anderen gelang selbst die Flucht. 37 Menschen wurden am Donnerstag noch in Kliniken behandelt, 17 von ihnen waren nach Angaben der Rettungskräfte in einem kritischen Zustand. Die Bergung und die Suche nach Ursachen für das Inferno könnten, sagt Dany Cotton, die Chefin der London Fire Brigade (LFB), "noch Wochen dauern".

Wie viele Menschen tatsächlich noch vermisst werden, ist unklar.

Die Feuerwehr hat nach Angaben Cottons alle 24 Stockwerke kurz durchsuchen können. "Wenn es in einem Hochhaus einen Brand gibt und der auf die brennbare Dämmung übergreift, ist eine unkontrollierte Brandausbreitung zu befürchten". Sie hatte zuvor eine "sorgfältige Untersuchung" angekündigt. Spricht man mit Brandexperten über das Feuer, entsteht das Bild einer Walze, die sich vom Inneren des Gebäudes nach außen ausbreitete, dann wieder nach innen und wieder nach außen.

Hunderte Londoner spendeten Decken, Kleider oder Babynahrung für die Bewohner. Queen Elizabeth die Zweite drückte den Betroffenen ihre Anteilnahme aus. Ihre Gedanken und Gebete seien bei den Familien, die Angehörige verloren hätten, sowie bei den vielen Menschen, die schwer verletzt im Spital lägen, teilte der Buckingham-Palast mit. Es sei ermutigend, zu sehen, wie viele Freiwillige nun zur Hilfe kämen.

Der britische Brandschutz-Experte Jon Hall nannte den Brand im Grenfell Tower einen Unfall, wie er in der "Dritten Welt" vorkomme. "Alle Bestandteile der Feuersicherheit und des Gebäudemanagements" müssten versagt haben, vermutete der frühere Feuerwehrchef aus den Midlands auf Twitter. Der Brand im Grenfell Tower ist Augenzeugenberichten zufolge noch nicht vollständig gelöscht.

Bewohner: Wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Feuers in dem Hochhaus aufgehalten haben, stand zunächst nicht fest. Das Gebäude war von 2014 bis 2016 saniert worden.

Auch in Deutschland werden Rufe nach Konsequenzen laut.

Wegen des Feuers in London will der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die energetische Gebäudesanierung in Deutschland auf den Prüfstand stellen. Das Feuer war in der Nacht ausgebrochen und hatte sich über die Fassade rasend schnell ausgebreitet. "Wir nehmen das jedoch zum Anlass und werden überprüfen, ob die aus energetischen Gründen geforderte Außendämmung eine zusätzliche Brandgefahr auslöst", sagte Herrmann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die Berliner Feuerwehr drängte auf schärfere Vorschriften beim Brandschutz auch für niedrigere Gebäude. "Das bemängeln wir als Feuerwehr, weil wir da schon schlechte Erfahrungen gemacht haben - nicht hier in Berlin, aber schon in anderen Städten".

Kein Terror-Hintergrund: Nach Angaben von Scotland Yard war der Brand kein Terroranschlag. Der Verband verlangte, den Einsatz von Polystyrol zur Dämmung von Gebäudefassaden "sofort auszusetzen".