Air-Berlin-Chef: Flüge wieder zuverlässig und pünktlich

Sonntag, 18 Jun, 2017

"An unserer Aussage vom April, die Liquidität des Unternehmens ist gesichert, hat sich nichts geändert", betonte Unternehmenschef Thomas Winkelmann auf der Hauptversammlung in London.

Dass Air Berlin bei den Landesregierungen in Berlin und Nordrhein-Westfalen schon mal für eine Bürgschaft vorfühlt, sieht Winkelmann lediglich als Zeichen vorausschauender Unternehmensführung. Der Bund könne bei Beteiligung eines ostdeutschen Landes und Bürgschaften von mehr als zehn Millionen Euro eine zusätzliche Absicherung übernehmen, erläuterte sie zum Verfahren. In London will der Chef keine Namen nennen: "Air Berlin bedient hoch interessante Märkte", sagt er. Er verwies darauf, dass Hauptaktionär Etihad aus Abu Dhabi Ende April seine finanzielle Hilfe für Air Berlin für rund 18 Monate bestätigt habe.

Bei der finanziell schwer angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin, Mutter der österreichischen Niki, kommt es einem Zeitungsbericht zufolge immer häufiger zu Verspätungen oder Flugausfällen.

Air Berlin gehört zu Berlin. Im vergangenen Jahr flog es einen Rekordverlust von 782 Millionen Euro ein. Oder Gabelstaplerfahrer Michael Hablasch, der den Air-Berlin-Anstecker auch auf Firmen-Events am Revers trägt. Heute treffen sich die Aktionäre der verschuldeten Fluggesellschaft zur Hauptversammlung. Wie ein finanzpolitischer Sprecher erklärte, sei das Hauptkriterium für die Gewährung von Staatsgeldern "ein tragfähiges Zukunftskonzept".

Zugleich stellte Etihad klar, an dem im Dezember 2016 angekündigten Kauf aller Air-Berlin-Anteile an Niki festzuhalten. Die "Welt" berichtete vorab unter Berufung auf Verhandlungskreise, dass Air Berlin eine Bürgschaft im hohen zwei- bis niedrigen dreistelligen Millionenbereich angefragt habe. Faktisch wird Air Berlin nur noch durch Finanzspritzen des arabischen Großaktionärs Etihad am Leben erhalten.

Drastischer drückte sich FDP-Chef Christian Lindner in der Bild-Zeitung aus, dessen Partei der neuen NRW-Regierung angehören wird: "Mit der FDP wird der Steuerzahler nicht für Missmanagement haften". Air Berlin habe "keinen Zweifel, dass Niki einen neuen Partner finden wird", sagte Winkelmann. Bei Etihad Airways sitzt das Geld bekanntermaßen nicht mehr so locker, denn die Strategie des ehemaligen Firmenchefs James Hogan gilt als gescheitert und dürfte bei Etihad Milliarden Euro versenkt haben. Durch eine Übernahme könnte Lufthansa die Air-Berlin-Flotte in die eigene Billigfluglinie Eurowings integrieren.

"Air Berlin ist ein wichtiger Zubringer, wir haben die Entwicklung nicht mit Freude registriert", sagt Walter Straßer, Sprecher von Wien Tourismus.

Zuvor hatte der Lufthansa-Rivale mit 8.000 Mitarbeitern einen Antrag auf staatliche Unterstützung gestellt.