Auch Audi soll mit illegaler Software Abgasmessungen manipuliert haben

Sonntag, 18 Jun, 2017

Aus Sicht von VW hat Stadler überreagiert, der Audi-Chef und der Minister hätten sich allerdings inzwischen ausgesprochen.

Stadler hat sich nach seinem Ärger über die Bekanntgabe neuer Erkenntnisse zu Abgasmanipulationen mit dem deutschen Verkehrsminister Alexander Dobrindt ausgesprochen. Nun muss Stadler wohl im Aufsichtsrat Stellung nehmen. Nach den Informationen des Nachrichtenmagazins müsse Stadler jetzt "mit einer raschen Abberufung rechnen". Zu Medienberichten über eine mögliche Ablösung Stadlers sagte er, Vorstand und Aufsichtsrat hätten "diese Diskussion zu Herrn Stadler nicht geführt".

Die Milliardenstrafe für den VW-Konzern fiel nach Überzeugung von VW-Juristen wegen dieses Verhaltens des Audi-Chefs höher aus.

In Aufsichtsratskreisen hieß es, natürlich müsse über das Thema gesprochen werden. "Eine ständige Kritik an Einzelpersonen hilft aber auch nicht weiter". Erst kürzlich war dessen Vertrag noch um fünf Jahre verlängert worden. Der "Spiegel" schrieb, die VW-Aufsichtsräte hätten den Versicherungen Stadlers geglaubt, dass Audi den Abgasskandal sauber aufgeklärt habe. Laut Audi ist dafür die Getriebesoftware verantwortlich, die bei Automatikgetrieben die Schaltvorgänge regelt. "Dass man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann, ist doch klar".

Das sagte ein Sprecher des Unternehmens am Samstag in Ingolstadt. Der Ingolstädter Hersteller erklärte, man habe die Auffälligkeiten bei eigenen Untersuchungen gefunden. "Wir haben diese Beobachtung im Rahmen laufender Gespräche sofort und in Eigeninitiative dem Kraftfahrbundesamt und dem Bundesverkehrsministerium gemeldet". Man habe das weitere Vorgehen "gemeinsam kommunizieren" wollen. Dass die Behörden illegale Software "entdeckt" hätten, sei deshalb das falsche Wort: "Wir selbst drehen jedes Steinchen um".

Dobrindt hatte kurz nach Beginn des VW-Abgasskandals im September 2015 die "Untersuchungskommission Volkswagen" eingesetzt. Stadlers kernige Aussagen wie "als Konsequenz aus der Diesel-Affäre stellen wir bei Audi alles auf den Prüfstand" wirken im Licht der neuen Vorwürfe wie ein Lippenbekenntnis, Dobrindts Pressekonferenz am Donnerstag wie ein Weckruf. Insgesamt sind rund 2,4 Millionen Fahrzeuge des VW-Konzerns von dem Skandal betroffen. Diese bewirkt, dass die Autos im normalen Fahrbetrieb auf der Straße deutlich mehr Stickoxide (NOx) ausstoßen als auf dem Prüfstand und somit die Grenzwerte überschreiten. Stickoxide gelten als gesundheitsschädlich. Es gehe nun auch um Fahrzeugverkäufe in Deutschland und Europa, nicht mehr nur wie bisher in den USA, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Ermittelt wird von der Staatsanwaltschaft München ohnehin bereits gegen Audi, pünktlich zur Bilanzpressekonferenz im März durchsuchten Ermittler Büros des Konzerns. Dabei geht es demnach wie bei Audi um die Lenkwinkelerkennung. Das Verfahren läuft weiter gegen Unbekannt.