Maas und de Maizière kritisieren Demo-Absage von Ditib

Sonntag, 18 Jun, 2017

Die Islamverbände, "die angeben, zusammen für Millionen Menschen zu sprechen und damit bisher Landes- und Bundespolitiker erfolgreich beendrucken konnten", seien entzaubert.

Zu dem Friedensmarsch werden Tausende Teilnehmer erwartet. Die Veranstalter wollten nach den jüngsten Anschlägen in Europa und der islamischen Welt ein Zeichen setzen.

Allerdings haben sich beim Kölner Friedensmarsch von Muslimen gegen Gewalt und islamistischen Terror sich am Samstag zunächst nur einige hundert Menschen versammelt. Muslime müssten auch in Deutschland klar machen, dass Attentäter und Islamisten nicht mehr Teil ihrer muslimischen Gemeinschaft seien. Damit hatte der Verband Unverständnis unter anderem bei der Bundesregierung ausgelöst. Die friedliebenden Muslime und die muslimische Zivilgesellschaft dürften "nicht die Extremisten sprechen lassen". "Teilnehmen wäre besser gewesen als abseits stehen", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) der "Rheinischen Post". Es sei Aufgabe der gesamten Zivilgesellschaft, sich von Terror zu distanzieren, schrieb Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstag). Der türkische Islamverband Ditib hatte sich am Mittwoch von der Demonstration distanziert. Der türkische Präsident Recep Tayyib Erdogan macht Gülen für den Putschversuch im Sommer 2016 verantwortlich. Am Ende waren es nicht mal halb so viele bei der Anti-Terror-Demo in Köln.

Auch Mitinitiatorin Kaddor hatte sich verwundert gezeigt.

Die Wirkung solcher Aktionen sei im Übrigen nicht nachhaltig.

Kaddor betonte: "Der Prophet Mohammed hat gerade im Ramadan die härteste Arbeit vollbracht. Deshalb ist es gut, wenn wir Muslime klarstellen, dass wir selbstverständlich für Frieden sind - auch wenn es eigentlich schon etwas traurig ist, dass wir uns dauernd rechtfertigen müssen". Damit würde man islamfeindlichen Positionen in die Hände spielen und den Muslimen einen Bärendienst erweisen.

Es ist als kraftvolles Zeichen der in Deutschland lebenden Muslime gegen den Terror gedacht.

Diese Begründung wies Israels Botschafter in Deutschland zurück. Der einzige Redner, der nicht mit Ditib ins Gericht ging, war Sadiqu al Mousllie vom Zentralrat der Muslime. Der Terror des IS und anderer sei eine Bedrohung für jeden friedliebenden Menschen, unabhängig von dessen Glauben.

Die Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Cemile Giousouf, erklärte, es gebe "keinen sachlichen Grund, die Teilnahme an der geplanten Demonstration gegen den islamistischen Terrorismus abzulehnen". "Dass Ditib nicht an der Demonstration teilnimmt, ist kein gutes Signal". Dutzende Gruppierungen unterstützen die Aktion, darunter Parteien, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und kirchliche Gruppen.

Kaddor verteidigte den Aufruf zur Demonstration im islamischen Fastenmonat Ramadan.