Zahl der Toten nach Londoner Hochhausbrand auf 30 gestiegen

Sonntag, 18 Jun, 2017

Die deutsche Brandschutzprofessorin Sylvia Heilmann hält es für unverantwortlich, dass möglicherweise brennbare Materialien in einem Hochhaus eingesetzt worden sein könnten. Nach Angaben der Rettungskräfte waren mehr als 200 Feuerwehrleute und 40 Löschfahrzeuge im Einsatz. Ein Newsletter der Mieterverwaltung habe die Bewohner angewiesen, im Falle eines Feuers in ihren Wohnungen zu bleiben - außer, der Brand sei in ihrer Wohnung oder auf ihrem Flur ausgebrochen. Stuart Cundy von der Polizei sagte, es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass das Feuer absichtlich gelegt worden sei.

Der ausgebrannte Grenfell Tower: Wie viele Menschen sich noch in dem 24-stöckigen Gebäude befinden, ist weiter unklar.

Die Zahl der Todesopfer war am Donnerstagmittag auf 17 gestiegen. Die Gefahr eines Einsturzes bestand anscheinend nicht.

Die Chancen, die vielen Vermissten noch lebend zu finden, sind inzwischen auf Null gesunken. Am Freitag wurden noch 24 Menschen in Krankenhäusern der britischen Hauptstadt behandelt. Die Feuerwehr konnte nach Angaben Cottons alle 24 Stockwerke kurz durchsuchen. Für eine gründlichere Suche müssten vor allem die oberen Stockwerke erst gesichert werden. Die Behörden vermuten, dass sich bis zu 600 Menschen in dem Hochhaus aufhielten. Menschen, die zunächst nicht aus ihren Wohnungen flohen, könnten später vermutlich nicht mehr in der Lage zur Flucht gewesen sein - da Gänge und Feuertreppen bereits von starkem Rauch und Flammen heimgesucht worden waren. Sie wolle dafür sorgen, dass "alles Mögliche getan wird, um die Betroffenen der Tragödie von Grenfell zu unterstützen", sagte ein Regierungssprecher am Samstag. Die Brandursache ist weiter unklar. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan versprach umfassende Aufklärung.

Nach heftiger Kritik an ihrer Reaktion auf die Brandkatastrophe in London rief die britische Premierministerin Theresa May Regierungsmitglieder zu einer Sondersitzung ein. "(.) Wir planen über Nacht hierzubleiben", sagte ein Sprecher der Londoner Feuerwehr am Mittwochabend. Sie werde mit Rettungskräften sprechen und sicherstellen, dass diese alle Ressourcen hätten, um mit der Situation umzugehen, hieß es. Königin Elizabeth II. und ihr Enkel Prinz William besuchten am Freitag ein umfunktioniertes Fitness-Center nahe des Unglücksorts und trafen Überlebende, Rettungskräfte und Ehrenamtliche. Ihre Gedanken und Gebete seien bei den Familien, die Angehörige verloren hätten, sowie bei den vielen Menschen, die schwer verletzt im Krankenhaus lägen, teilte der Buckingham-Palast mit.

"Es erinnert mich an die Tage nach dem 11. September", sagt eine New Yorkerin, die Spenden sortiert und seit Tagen kaum geschlafen hat - wie so viele freiwillige Helfer auf den Straßen und in den Notunterkünften.

Nach Angaben einer Augenzeugin war es unmöglich, den um Hilfe schreienden Menschen zu helfen.

Der britische Brandschutz-Experte Jon Hall nannte den Brand einen Unfall, wie er in der "Dritten Welt" vorkomme.

"In meinen 29 Jahren als Feuerwehrfrau habe ich noch nie etwas von solchem Ausmaß gesehen", sagte Dany Cotton von der Londoner Feuerwehr. Matt Wrack, der Chef der Feuerwehr-Gewerkschaft, sagte, nach dem Brand hätten die Bewohner des Gebäudes das Recht, kritische Fragen zu stellen - etwa, ob die Fassadenverkleidung die Feuersicherheit beeinträchtigt habe.

Derzeit ist das Hochhaus im Stadtteil Kensington entgegen ersten Befürchtungen nicht einsturzgefährdet.

Die Londoner Feuerwehr hat die Suche nach weiteren Opfern im ausgebrannten Hochhaus vorerst abgebrochen. Mehr als eine Million Pfund an Spendengeldern wurden bereits gesammelt. "Ich bin 100 Meter weg und ich bin vollständig mit Asche bedeckt".

Anwohner hatten sich über den angeblich mangelnden Brandschutz in dem Gebäude beschwert, das 1974 erbaut und von 2014 bis 2016 saniert worden war.

Nach Angaben von Bewohnern brannte das Hochhaus, dessen Fassade im Zuge einer größeren Renovierung bis ins vergangene Jahr neu verkleidet wurde, zuerst von außen. "Wir nehmen das jedoch zum Anlass und werden überprüfen, ob die aus energetischen Gründen geforderte Außendämmung eine zusätzliche Brandgefahr auslöst", sagte Herrmann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstag).

Die Berliner Feuerwehr dringt nach der Katastrophe auf schärfere Vorschriften beim Brandschutz in Deutschland auch für niedrigere Gebäude.