"Bild": Ausschließlich europäischer Staatsakt für Helmut Kohl

Montag, 19 Jun, 2017

Kohl habe "mit Weitblick und Hingabe für das Wohl der Menschen in Deutschland und der europäischen Nachbarn gearbeitet", erklärte der Papst am Samstag in einem Beileidstelegramm an die Bundesregierung. Der langjährige Kanzler war am Freitagmorgen im Alter von 87 Jahren in seiner rheinland-pfälzischen Heimat Ludwigshafen gestorben. Einzelheiten sind noch offen, was aber die Boulevardpresse nicht davon abhielt, bereits zu spekulieren, dass der Leichnam des Altkanzlers nach dem EU-Staatsakt mit dem Schiff über den Rhein zu einer Totenmesse nach Speyer überführt werden könnte. Das Datum ist noch nicht bestätigt, aber Kohls Witwe Maike Kohl-Richter steht laut "Bild"-dazu in Kontakt mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, Kanzlerin Angela Merkel und Innenminister Thomas de Maizière". Die CDU legte in ihrer Zentrale in Berlin ein Kondolenzbuch aus und richtete ein Online-Kondolenzbuch ein.

Kohl hatte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989 mit Gorbatschow sowie den Staats- und Regierungschefs der USA, Großbritanniens und Frankreichs die Bedingungen für die Deutsche Einheit ausgehandelt. Merkel hatte die Nachricht von Kohls Tod während ihrer Reise in Rom erreicht. "Er hat sich um die Wiedererlangung der Einheit unseres Vaterlandes und die Europäische Einigung wie kaum ein anderer verdient gemacht".

"Mit Helmut Kohl verlieren wir einen unermüdlichen Verfechter der deutsch-französischen Freundschaft und eines starken und geeinten Europas", hieß es am Freitag seitens arte-Präsident Peter Boudgoust.

Politiker aus dem In- und Ausland ehrten Kohl als großen Staatsmann und würdigten seine Verdienste um die Deutsche Einheit und Europa. "Sein Vermächtnis wird weiterleben".

Kohl regierte als Bundeskanzler - 16 Jahre, so lange wie bisher niemand vor und nach ihm. Die Vorsitzenden von Bundestagsfraktion und Partei, Sahra Wagenknecht, Dietmar Bartsch, Katja Kipping und Bernd Riexinger, nannten den Altkanzler einen "überzeugten Europäer"- verwiesen jedoch auch darauf, dass seine EU-Politik "zugleich mit der Fehlkonstruktion der Währungsunion eine Entwicklung einleitete, die Europa heute in seine tiefste Krise bringt".

Ramelow, erster Ministerpräsident der Linken nach der Wiedervereinigung, bezeichnete Kohl als außerordentliche Persönlichkeit, die in der schwierigsten Phase nach dem Zweiten Weltkrieg große Verantwortung übernommen habe.