"Bild": Kein nationaler Staatsakt für Helmut Kohl geplant

Montag, 19 Jun, 2017

Sein Tod hat in Deutschland und international Trauer ausgelöst. In Straßburg soll ein Staatsakt für Helmut Kohl stattfinden, im Dom von Speyer eine Totenmesse.

Nach dem Willen von EU-Kommissionspräsident Juncker soll Kohl als erster Politiker überhaupt mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden. "Deshalb gebührt Helmut Kohl nun auch ein europäischer Staatsakt, für den ich mich persönlich einsetzen werde". Der Staatsakt ist nach Angaben des Blattes in Straßburg vorgesehen.

Der Abschied von Helmut Kohl soll ein besonderer werden. Ein genaues Datum hierfür wurde jedoch nicht genannt. Nach einer Privataudienz im Vatikan sagte Merkel, der Papst habe seine Anteilnahme ausgedrückt und Kohl als "großen Staatsmann" gewürdigt. Entscheidungen dazu seien noch nicht gefallen, hieß es am Samstag aus der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz und aus dem Bundespräsidialamt. "Aber es ist genauso klar, dass die Familie dazu das letzte Wort hat".

Zu Ehren Kohls läuft die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei ihrem Auftaktspiel beim Confed Cup am Montag im russischen Sotschi mit Trauerflor auf. Von Sonntag an liegt auch im Bundeskanzleramt ein Kondolenzbuch aus, ebenso wie in der Mainzer Staatskanzlei. Im Foyer der CDU-Zentrale in Berlin wurde ein Kondolenzbuch für Helmut Kohl ausgelegt.

Nach dem Tod von Altkanzler Helmut Kohl kommen weiterhin Trauernde zu dessen Wohnhaus in Ludwigshafen-Oggersheim. Der CDU-Politiker hatte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989 mit den Staats- und Regierungschefs Russlands, der USA, Großbritanniens und Frankreichs die Bedingungen für die Deutsche Einheit ausgehandelt. Thüringens SPD-Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sagte der Zeitung: "Besonders gut wäre es, wenn bei der Benennung nach Helmut Kohl die Straße oder der Platz einen Bezug zu Europa oder zur deutschen Einheit hätte".

Mit ihm verliere man einen großen Deutschen und großen Europäer, schrieb Merkel. Man werde noch lange bewundern, wie entschlossen Kohl und seine Mitarbeiter die Gunst der Stunde zur Vereinigung genutzt hätten, sagte die CDU-Vorsitzende bei einem Besuch in Rom.