Hochhausbrand: Britische Regierung kämpft gegen Kritik

Montag, 19 Jun, 2017

Im Grenfell Tower in West-Londons war in der Nacht zu Mittwoch ein Feuer ausgebrochen. Auf Bannern und Plakaten stand "Gerechtigkeit für Grenfell! Wir fordern die Wahrheit".

Premierministerin Theresa May sicherte den Opfern 5 Millionen Pfund (etwa 5,7 Millionen Euro) Unterstützung zu. "Heute Abend haben viele Menschen keinen Ort, wo sie hingehen können, sie haben absolut alles verloren". "Alle Bestandteile der Feuersicherheit und des Gebäudemanagements" müssten versagt haben, vermutete er auf Twitter.

Nach heftiger Kritik an ihrer Reaktion auf die Brandkatastrophe in London rief die britische Premierministerin Theresa May Regierungsmitglieder zu einer Sondersitzung ein. Am Vormittag hatte Königin Elisabeth II. vor ihrer offiziellen Geburtstagsparade in einer Schweigeminute der Opfer der Brandkatastrophe und auch der jüngsten Terror-Anschläge in London und Manchester gedacht.

Bei dem gewaltigen Brand wurden am Mittwoch 65 Menschen von der Feuerwehr aus den Flammen gerettet, anderen gelang selbst die Flucht.

Die Ursache des Brands ist noch unklar.

May kündigte weitere Hilfen an - unter anderem zur psychologischen Betreuung der Rettungsdienste und der Angehörigen der Opfer. Das teilte Scotland Yard am Freitag mit.

Die Bergungsarbeiten könnten sich hinziehen. Es werde sehr lange dauern, bis die Spezialkräfte von Polizei und Feuerwehr den Sozialbau vollständig durchsucht und alle Opfer geborgen hätten. Das teilte die Behörde am Samstag in der britischen Hauptstadt mit Verweis auf Vermisstenmeldungen mit.

GROSSBRAND ⋅ Nach dem Hochhausbrand in London suchen Freunde und Verwandte mit Postern und in den sozialen Medien zunehmend verzweifelt nach Vermissten. Neun davon befanden sich am Sonntag noch in kritischem Zustand, wie die britische Gesundheitsbehörde NHS mitteilte. Der Minister für Gemeinden und Kommunalverwaltung, Sajid Javid, sagte dem Rundfunksender BBC: "Etwas ist hier falsch gelaufen, etwas ist drastisch falsch gelaufen". Am Freitag besuchte May Verletzte in einem Londoner Krankenhaus.

Die Queen und ihr Enkel Prinz William besuchten am Freitag eine Notunterkunft in einem Fitness-Center in der Nähe des Brandorts.

Schon am Donnerstag hatte die Monarchin den Mut der Feuerwehrleute und die "unglaubliche Grosszügigkeit" der freiwilligen Helfer gewürdigt.

Kritiker hatten May vorgeworfen, nicht schnell genug auf das Unglück reagiert zu haben. Der Oppositionsführer und Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte unterdessen Betroffene getröstet. Die Menschen hätten den Eindruck, dass ihnen nicht genügend geholfen worden sei nach der Katastrophe und dass sie keine Antworten auf die ihre dringendsten Fragen bekämen.