Juncker plant europäischen Staatsakt für Kohl

Montag, 19 Jun, 2017

Es wäre das erste Mal, dass ein europäischer Staatsakt ausgerichtet wird.

Auch der frühere US-Präsident George H.W. Bush würdigte Helmut Kohl als "wahren Freund der Freiheit". Die Welt habe von seiner Vision und seinen Anstrengungen profitiert. Den vielen Mikrofonen vor der Tür weicht er nicht aus, sondern lässt die Öffentlichkeit teilhaben an beklemmenden Details aus dem Innersten der Familie Kohl, einmal mehr.

Kohl hatte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989 mit Gorbatschow sowie den Staats- und Regierungschefs der USA, Großbritanniens und Frankreichs die Bedingungen für die Deutsche Einheit ausgehandelt. Kohl habe geholfen, "den Kurs des historischen Prozesses der politischen und wirtschaftlichen Integration Europas zu setzen", sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric. Mit "Standhaftigkeit, Prinzipientreue und einem klaren Wertefundament" hätten Kohl und die CDU Deutschland stets unerschütterlich an der Deutschen Einheit festgehalten, die andere bereits aufgegeben hatten. "Helmut Kohl war ein Glücksfall für uns Deutsche", sagte Merkel. Juncker: "In Gedenken an Helmut Kohl habe ich deshalb die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf Halbmast setzen lassen". Das sei Kohls großes Vermächtnis, so Gabriel. Gorbatschow würdigte Helmut Kohl vor allem wegen seines Engagements für die deutsch-russischen Beziehungen.

Martin Schulz ist Kanzlerkandidat und seit März 2017 außerdem Parteichef der SPD. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte, Kohl sei bei allem Streit jemand gewesen, auf den man sich habe verlassen können. Nach einer Privataudienz im Vatikan sagte Merkel, der Papst habe seine Anteilnahme ausgedrückt und Kohl als "großen Staatsmann" gewürdigt. "Ein großer Europäer ist von uns gegangen". "Im Bewusstsein der historischen Verantwortung Deutschlands machte Helmut Kohl den Weg frei für die Einwanderung der Juden aus der ehemaligen Sowjetunion". In der Sowjetunion hatte Ende der 1980er-Jahre eine neue Welle des Antisemitismus eingesetzt.

Einer der größten Momente seines Lebens: Bei der Einheitsfeier am 3. Oktober 1990 winkt Helmut Kohl in die Menge, flankiert von Hans-Dietrich Genscher, Hannelore Kohl und Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird am Montag beim Auftaktspiel zum Confederations Cup gegen Australien mit Trauerflor spielen. In die Geschichte aber ging der promovierte Historiker vor allem als Kanzler der deutschen Einheit ein. Kohl legte einen Zehn-Punkte-Plan zur schrittweisen Wiederherstellung der deutschen Einheit vor, der am 1. Dezember vom Bundestag gebilligt wurde. Walter Kohl beklagt sich, es sei schlimm, wenn ein Kind nicht zu seinem toten Vater dürfe. Kohl verlor den Ehrenvorsitz. Der CDU-Politiker war Freitag früh im Alter von 87 Jahren in seiner Heimatstadt Ludwigshafen gestorben.