Krisentreffen der Air-Berlin-Aktionäre

Montag, 19 Jun, 2017

Die Aktionäre von Deutschlands zweitgrößter Airline erhoffen sich Antworten darauf, wenn sie am Mittwoch in London zur Hauptversammlung des Unternehmens zusammenkommen. Und Berlin ist der Fluggesellschaft durchaus einen Gefallen schuldig, so hat die mehrmals verschobene BER-Eröffnung die Planungen bei Air Berlin jedes Mal aufs Neue umgeworfen.

Dies betonte Unternehmenschef Winkelmann auf der Hauptversammlung in London.

Air Berlin hat vergangene Woche eine Voranfrage auf Prüfung einer staatlichen Bürgschaft der Bundesländer Berlin und Nordrhein-Westfalen gestellt. "Wir loten alle Möglichkeiten aus - für alle Fälle", sagt der Chef.

Die Bürgschaftsanfrage habe aber nichts mit den jüngst geplatzten Verhandlungen zwischen Etihad und dem Tui-Konzern über eine gemeinsame Ferienfluggesellschaft der Air-Berlin-Tochter Niki mit Tuifly zu tun, sagte Winkelmann. Der Bund könne bei Beteiligung eines ostdeutschen Landes und Bürgschaften von mehr als zehn Millionen Euro eine zusätzliche Absicherung übernehmen, erläuterte sie zum Verfahren.

Dazu gehört auch die Suche nach einem weiteren großen Partner. Auch zu den Spekulationen über einen möglichen Einstieg der Deutschen Lufthansa sagte er nichts.

Niki werde als eigenständige Einheit Kurz- und Mittelstreckenflüge zu Urlaubzielen anbieten, sagte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann. Die beiden Firmen sind bereits im Geschäft: Die Kranich-Linie mietet vom Rivalen 38 Flugzeuge einschließlich deren Crews.

Air Berlin droht die Pleite. Da Air Berlin juristisch als britisches Unternehmen firmiert, findet das Treffen in London statt. Die Airline fliegt seit Jahren Verluste ein, ist mit 1,2 Milliarden Euro verschuldet und hält sich seit langem mit Finanzspritzen von Etihad in der Luft. Großaktionär Etihad hat der angeschlagenen Airline im Apri.

Auch aus Sicht von Etihad macht es finanziell keinen Sinn, Air Berlin die Schulden abzunehmen, um die Fluglinie für eine Übernahme aufzuhübschen. Das Management habe sich über die Probleme "maßlos geärgert". Selbst wenn Air Berlin in einem anderen Unternehmen aufgehen sollte, dürften die meisten Flüge nach Experteneinschätzung von der neuen Gesellschaft übernommen werden. Der Flughafenverband hofft, dass der Fluglinie unter die Arme gegriffen wird - das sei auch im Sinne der Kunden.

Die Fluggesellschaft bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass es in den vergangenen Monaten ein erhöhtes Beschwerdeaufkommen gegeben habe. Trotz Air-Berlin-Turbulenzen rechnet der Flughafen Wien heuer mit einem Passagierplus von zwei Prozent.

"Beschwerden bitte direkt an uns!".

Die Fluggesellschaft rate ihren Kunden außerdem, sich bei Entschädigungsansprüchen direkt beim Unternehmen zu melden, berichtete die "Rheinische Post".

Die Krise bei Air Berlin spitzt sich zu, mal wieder: Durcheinander im Flugplan mit gestrichenen und verspäteten Flügen, Chaos in Berlin-Tegel bei der Gepäckabfertigung, verärgerte Passagiere.