Schwerer Waldbrand tötet dutzende Menschen in Portugal

Montag, 19 Jun, 2017

Mehr als 60 Menschen sind tot.

Nach Angaben des portugiesischen Innenministeriums starben viele Menschen einen qualvollen Tod, als sie mit dem Auto vor den Flammen fliehen wollten. Ministerpräsident Antonio Costa sprach von einer "furchtbaren Tragödie".

Lissabon. Bei einem verheerenden Waldbrand in Portugal ist die Zahl der Todesopfer auf 57 gestiegen. Am Sonntag wütete der Brand noch immer an vier Fronten, an zwei davon mit "großer Wucht", wie Innenstaatssekretär Jorge Gomes mitteilte. Die hohen Temperaturen, die extreme Trockenheit und die starken Winde behinderten weiterhin die Löscharbeiten, sagte Gomes.

Mindestens 61 Menschen starben durch die Brände in der Region etwa 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon. Es gebe einige Dörfer, die "von den Flammen völlig eingekesselt" seien, sagte der Bürgermeister von Pedrógão Grande, Valdemar Alves, zum Newsportal "Público". Der verheerende Waldbrand mit mehreren Toten in Portugal ist der Polizei zufolge durch Blitzschlag ausgelöst worden. Ermittler hätten einen Baum entdeckt, der während eines sogenannten Trockengewitters getroffen worden sei. Bei Trockengewittern verdunstet der Regen, noch bevor er auf dem Erdboden ankommt. Isabel Brandoa wohnt in der Gegend und erklärte, sie habe um ihr Leben gefürchtet. Seit 3:30 Uhr am Morgen sei sie wach und habe ständig Angst gehabt, dass die Flammen sie erreichen würden.

Das Land hatte nach Ausbruch des Feuers am Samstagnachmittag zunächst nur zwei Löschflugzeuge im Einsatz. Auf der Flucht vor dem Feuer wurden viele Autofahrer von den Flammen eingeholt. Bis zum Abend hatten Feuerwehr und Rettungskräfte noch nicht alle Dörfer erreicht, weil es teils noch zu heftig brannte. Gomes sagte, es sei schwer zu sagen, ob die Menschen vor den Flammen flüchteten oder von dem Feuer überrascht wurden.

Die Regierung Portugals rief unterdessen eine dreitägige Staatstrauer aus. "Wir Deutsche trauern angesichts dieser furchtbaren Katastrophe mit Ihnen, den Angehörigen und Freunden der Opfer und mit allen Portugiesinnen und Portugiesen", schrieb der Bundespräsident.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte Portugals Regierung ihre Anteilnahme an der Waldbrandkatastrophe aus.

Die Europäische Union sagte Portugal angesichts der Waldbrände Hilfe zu. Portugiesische Medien berichteten am Sonntagmorgen von mindestens 25 Toten. Der Einsatz von Löschflugzeugen und Hubschraubern sei am Sonntag zunächst lange Zeit aufgrund der starken Rauchentwicklung völlig unmöglich gewesen. Die Ankunft eines weiteren wurde erwartet. Frankreich und Spanien helfen mit Löschflugzeugen.