Studie: OPs wegen Rückenschmerzen im Südwesten seltener

Montag, 19 Jun, 2017

Auch die Zahl der Operationen nahm zu: 2015 gab es bundesweit 772 000 Eingriffe wegen Rückenbeschwerden - 2007 waren es 452 000 (+ 71 Prozent).

Wer in Hessen an Rückenschmerzen leidet, wird überdurchschnittlich häufig operiert. Demnach kommt es je 100.000 Einwohner durchschnittlich zu 89 Versteifungsoperationen.

Zudem zeigen die Ergebnisse in den "OP-Hochburgen", dass sich die Situation in den letzten Jahren zugespitzt hat.

Gütersloh. Patienten mit Rückenschmerzen landen immer häufiger im Krankenhaus. So ist in Nord- und Osthessen sowie im angrenzenden Westthüringen mittlerweile ein zusammenhängendes Gebiet entstanden, in dem fast alle Stadt- und Landkreise sehr hohe Operationsraten aufweisen. Das waren 154.000 Fälle oder 34 Prozent mehr als 2007. Laut den Experten der Bertelsmann-Stiftung wäre ein Klinikaufenthalt häufig vermeidbar. Die Mehrzahl dieser Patienten erhält im Krankenhaus keine spezifische Schmerztherapie oder operative Eingriffe, sondern überwiegend lediglich diagnostische Leistungen, beispielsweise ein MRT. "Das könnte meistens auch ambulant erfolgen", heißt es in der Studie.

Die starken regionalen Unterschiede lassen sich dabei nach Aussage der Forscher nur zu einem kleinen Teil auf objektive Faktoren wie die Zahl der Orthopäden vor Ort zurückführen. Auch die Zahl der Rücken-OPs ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. "Die Zunahme der Eingriffe und die regionalen Unterschiede hängen auch mit den Vorlieben der ortsansässigen Mediziner zusammen", sagte Eckhard Volbracht von der Stiftung. Ohne einheitliche Leitlinien eröffnen sich Ärzten Behandlungsspielräume, die zu regional unterschiedlichen Versorgungsgewohnheiten führen können. "Die Entscheidung sollte aber unabhängig vom Wohnort, finanziellen Interessen und individuellen Vorlieben der ortsansässigen Ärzte fallen", betonte er.

Patienten sollten einen zweiten Arzt um Rat fragen, wenn sie unsicher sind, ob eine geplante Operation wirklich notwendig ist.

Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hat das IGES-Institut (Autoren: Karsten Zich und Thorsten Tisch) Analysen zu rückenschmerzbedingten Krankenhausaufenthalten und operativen Eingriffen auf Grundlage der Fallpauschalenbezogenen Krankenhausstatistik (DRG-Statistik) und Sonderauswertungen des Statistischen Bundesamtes durchgeführt.