Teilnehmerzahl bei Friedensmarsch in Köln deutlich geringer als erwartet

Montag, 19 Jun, 2017

Eine Demonstration mit bis zu 10 000 Teilnehmern hatten die Autorin, die seit Jahren einen liberalen Islam propagiert, und der Friedensaktivist angemeldet. Auch viele namhafte Persönlichkeiten aus Politik, Kunst, Film und Medien hatten parteiübergreifend zur Teilnahme aufgerufen. Rund 40 Organisationen und Verbände sowie 260 Einzelpersonen hatten den Aufruf bisher unterzeichnet. Dass die Absage des größten islamischen Verbands in Deutschland, des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib, für die geringere Ressonanz verantwortlich ist, wollte Kaddor nicht ausschließen. Der Islamverband hatte die Demonstration als "eine öffentliche Vereinnahmung und Instrumentalisierung" bezeichnet und eine Teilnahme abgesagt. Jetzt rüstet sich wohl der Verband, um die nächsten einzustecken - als Prügelknabe der Nation, die es gewagt hat, eine andere Meinung zu vertreten als die wenigen privilegierten Auserwählten, die bislang die mediale Landschaft gestaltet und die Deutungshoheit in Anspruch genommen haben. Kein Zweifel, die schwache Resonanz auf den groß angekündigten Protest ist für all' diejenigen Gutmeinenden eine herbe Enttäuschung, die sich seit langem einen "Aufstand der Anständigen" von muslimischer Seite erhofft hatten - gegen das Morden im Namen der Religion. Der Ramadan ist für gläubige Muslime der Monat des Friedens. "Wir sind im Dezember vor den IS-Terroristen aus Homs geflohen". Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde, Mehmet Tanriverdi, erklärte im Blick auf den DITIB-Boykott der Demonstration: "Die Bundesländer und der Bund müssten sich fragen lassen, ob sie weiterhin diese aus dem Ausland gesteuerten Totalverweigerer, die ihre Gemeindemitglieder bespitzeln und spitzelnde Imame vor dem Zugriff deutscher Sicherheitsbehörden ins Ausland schleusen, mit Millionensummen unterstützen wollen".

Grünen-Chef Cem Özdemir hält die Ditib-Absage für "mehr als fadenscheinig", CDU-Kanzlerin Angela Merkel nannte sie diplomatisch "einfach schade". "Ich glaube, es ist das falsche Signal gewesen, bei so einem Friedensmarsch nicht dabei gewesen zu sein", sagte sie. Es dürften nicht immer nur die Extremisten und Islamhasser über den Islam sprechen. Diese Kundgebung wird aber auch nicht viel darüber Auskunft geben, welchen Alleinvertretungsanspruch die einzelnen Gemeinden haben.

Mohamad sagte, er wolle nicht nach Gesetzen leben, die nicht mit dem Grundgesetz zu vereinbaren seien. Schließlich beziehen sich die Attentäter nun mal auf den Islam.

Auch hat mit diesen Wortklaubereien eigentlich nur bekräftigt, dass die anderen sich nicht für Toleranz, Gleichheit und Brüderlichkeit unter allen Menschen einsetzen. Spätestens bei der ersten Kritik an der DITIB hätten die Initiatoren die Einwände des islamischen Dachverbandes zur Kenntnis genommen und nicht weiter kommentiert. Stattdessen befeuerte man den Schneeballeffekt, um der Erwartungshaltung der Mehrheitsgesellschaft gerecht zu werden.

Beim Friedensmarsch in Köln haben Muslime aus ganz Deutschland Stellung gegen Gewalt und Terror von Islamisten bezogen.

Es hätte viel mehr heissen müssen, "Nicht mit Terror" statt "Nicht mit uns!", vielleicht hätte man dann alle erreicht und gemeinsam viel mehr erreicht.