Kostendruck auf Studenten steigt

Mittwoch, 28 Jun, 2017

Das geht aus der 21.

Die Sozialerhebung ist eine Langzeituntersuchung, die bereits seit 1951 Auskunft über die soziale und wirtschaftliche Lage der Studierenden in Deutschland gibt.

Das Studentenwerk untersucht die Lage an den Hochschulen. An der erstmals online organisierten Befragung hatten sich im Sommersemester 2016 mit 60.000 Studenten so viele wie noch nie beteiligt.

Für Johanna Wanka war bei der Vorstellung der Studie jedoch vor allem eines wichtig: Studierende wünschen sich mehr Praxisbezug im Studium und Studiengänge, die flexibler auf persönliche Wünsche eingingen - zum Beispiel für Studierende mit Kindern oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Doch die Netto-Rücklaufquote auf die 400 000 Einladungen zur Teilnahme war mit 16,2 Prozent eher gering. Und: Er hat 918 Euro im Monat zur Verfügung, 76 Euro mehr als noch 2012. Die Hälfte dieser Studierenden gab an, sogar mindestens 50 Euro im Monat mehr auszugeben als einzunehmen. "Die Miete bleibt der größte Ausgabeposten". Elf Prozent müssen im Studium mit gravierenden Gesundheitsproblemen zurechtkommen. 26 Prozent oder im Schnitt 385 Euro erwirtschafteten die Studenten durch Jobben. Gründe sind steigende Mietkosten und zu wenig Bafög. Oder ihre Eltern verdienen zu viel.

Um ihr Studium zu finanzieren, gehen nach Aussage der Sozialerhebung 59 Prozent der Göttinger Studenten einer Arbeit nach.Damit bewegt sich der Hochschulstandort im letzten Drittel: Deutlich mehr Studenten gehen andernorts arbeiten.

DSW-Präsident Dieter Timmermann bedauert, dass 2016 nur 18 Prozent der Studenten Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) erhielten - die niedrigste Quote seit den 90er Jahren. Die Elternfreibeträge hat der Bund zuletzt zum Wintersemester 2016/17 erhöht, der Effekt der Erleichterung ist in der jetzigen Erhebung noch nicht spürbar.

Die Diskrepanz zwischen den durchschnittlichen Einnahmen der Studierenden von 918 Euro im Monat und dem aktuellen Bafög-Höchstsatz von 735 Euro nimmt das Studentenwerk zum Anlass, regelmäßige Bafög-Erhöhungen, auch auf Basis der Sozialerhebungen, zu fordern. "Denn die soziale Spaltung beim Zugang zum Studium dürfte weiter hartnäckig hochproblematisch sein, da die Koalition das Bafög vernachlässigt hat".

Was tun, wenn das Bafög nicht reicht und gleichzeitig die Mieten steigen? Die Jobber-Quote steigt - innerhalb von vier Jahren um sechs Punkte auf 68 Prozent. Neun Stunden wenden die Studierenden im Schnitt für die Erwerbsarbeit auf, 33 Stunden für das Studium - mit 42 Stunden haben sie also eine volle Arbeitswoche. Zwei von drei Studenten jobben während des Semesters.

Eine zentrale Erkenntnis der Studie: Der finanzielle Druck auf die Studierenden wächst. Das macht sich auch beim Studium bemerkbar: Die Studierenden verbringen weniger Zeit in Vorlesungen. Jedenfalls nennt die Hälfe der Erwerbstätigen als Motiv, "praktische Erfahrungen sammeln zu wollen". Jeder Fünfte hat Migrationshintergrund. Fast ein Drittel der als Vollzeit-Studenten eingeschriebenen sind de facto Teilzeit-Studenten.

Der finanzielle Druck auf den Großteil der gut 2,8 Millionen Studenten nimmt jedoch insgesamt zu. "41 Prozent der Studierenden, die im Wohnheim leben, gehören zum unteren Einkommensviertel". In vielen Hochschulstädten werde es immer schwieriger, preisgünstigen Wohnraum zu finden.

Akademikerkinder dominieren weiterhin die Hochschulen - und bauen ihren Vorsprung aus. 48 Prozent haben keine akademisch ausgebildeten Eltern. Zwei von drei Studierenden streben einen Bachelor-Abschluss an, 22 Prozent den Master und 13 Prozent ein Staatsexamen. 66 Prozent der Eltern haben Abitur, sechs Prozent mehr als 2012.

Bei 24 Prozent haben die Eltern heutzutage den mittleren Schulabschluss, bei 9 Prozent den Hauptschulabschluss.