Tausende Demonstranten und erste Gespräche in Hamburg - Ausland

Samstag, 08 Jul, 2017

Der Hamburger G20-Gipfel wird von gewalttätigen Protesten überschattet. Demonstranten blockieren Straßen. Die Polizei geht wie angekündigt mit Härte gegen die Protestierer vor. Am Freitag und Samstag, 7. und 8. Juli, treffen sich in Hamburg die Staats- und Regierungschefs der 20 großen Industrie- und Schwellenländer.

Nach schweren Ausschreitungen am Vorabend formiert sich in Hamburg zum Beginn des G20-Gipfels am Freitag eine neue Protestwelle. Die Polizei hatte von 12 000 Teilnehmern gesprochen. Das wohl spannendste Treffen am Rande des Gipfels wird aber jenes zwischen Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin am Freitag sein.

Anders als für andere Veranstaltungen hatte die Polizei für "Welcome to Hell" ("Willkommen in der Hölle") keine Auflagen erlassen. "Wir sind entsetzt über die offensichtliche Gewaltbereitschaft", erklärte die Polizei.

"Heute hat die Polizei alle behandelt als wären sie gewaltbereit", sagt Johannes Findeisen empört. Man habe versucht, den "Schwarzen Block" der Linksautonomen von den friedlichen Demonstranten zu trennen - dann hätte die Kundgebung fortgesetzt werden können.

Etwa 1000 Vermummte hatten sich nach Angaben der Polizei unter die Demonstranten gemischt - was die Polizei nicht duldete. Auch zahlreiche Demonstranten wurden den Veranstaltern zufolge verletzt - einige ernsthaft.

Beuth teilte mit: "Ich bedauere es sehr, dass Chaoten das Versammlungsrecht missbrauchen, um zu randalieren, Fahrzeuge in Brand zu stecken und Polizisten anzugreifen". Eine Hundertschaft der Polizei zog am Morgen umgekippte Straßenschilder und Bierbänke von der verwüsteten Straße Schulterblatt im linksalternativen Schanzenviertel. Sie blieben unverletzt. Mit dem Schrecken kam auch der Pressesprecher der Hamburger Polizei davon, der sich in einen Rettungswagen flüchten musste.

Nach einer kurzen Ruhepause berichtet die Polizei wieder von brennenden Autos und Barrikaden in Altona und St.

Ein Demonstrant stellt sich einem Wasserwerfer entgegen. Vereinzelt wurden den Beamten zufolge Scheiben von Geschäften beschädigt, auch Einsatzwagen seien angegriffen worden. Nach Angaben von Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sollte die Zahl der eingesetzten Polizisten am Ende wohl bei bis zu 21.000 liegen. In diesem Zusammenhang bestätigt die Polizei den Einsatz von Spezialkräften.

"Die Amerikaner haben eine schwierige Vorstellung, finde ich, von der Welt", sagte der Vizekanzler und SPD-Politiker am Global-Citizen-Festival in Hamburg, einem Pop-Konzert zum G20-Gipfel in Hamburg.

Die Polizei meldete auch "massiven Bewurf mit Gegenständen" in der Umgebung. Das bestätigte auch die Hamburger Polizei auf Nachfrage der Berliner Zeitung. Dabei sollte sie vom Fischmarkt bis etwa 300 Meter an die Messehallen, den Veranstaltungsort des Gipfels, heranführen.

Ein Auto steht während der Demonstration "Welcome to hell" in Flammen. Anmelder Andreas Blechschmidt vom linksautonomen Kulturzentrum "Rote Flora" warf Innenbehörde und Verfassungsschutz dennoch vor, "eine massive Kampagne" gegen Demonstranten zu führen.

Das martialische Motto "Welcome to Hell" wird zum Glück nicht Wirklichkeit.

Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht hatte am Donnerstag entschieden, dass die Verfügung voraussichtlich rechtmäßig sei. Attac kann aber beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Beschwerde einreichen.