Eiszeithöhlen und Bauhausstätten sind Weltkulturerbe

Montag, 10 Jul, 2017

Die sechs Höhlen in Baden-Württemberg gelten als eines der wichtigsten Ausgrabungsgebiete für Archäologen - sie bergen einige der ältesten Kunstwerke der Menschheit: Aus Stoßzähnen gefertigte Miniaturen von Wildpferden, Mammuts, Löwen, Bären und Vögeln sowie Flöten aus Vogelknochen.

Die Unesco hat die in Baden-Württemberg gelegenen Höhlen der weltweit ältesten Eiszeitkunst in die Welterbeliste aufgenommen.

"Die Verleihung des Welterbe-Status für Höhlen der ältesten Eiszeitkunst ist eine fantastische Nachricht, mit Schubkraft für unsere ganze Region", kommentierten die Landräte Heiner Scheffold (Alb-Donau-Kreis), Thomas Reinhardt (Heidenheim) und Oberbürgermeister Gunter Czisch (Stadt Ulm) die in Krakau gefallene Entscheidung der Unesco in einer gemeinsamen schriftlichen Stellungnahme.

Als der Vorsitzende des Unesco-Komitees, der polnische Historiker Jacek Purchla, um 12.39 Uhr am Sonntag seinen kleinen Holzhammer auf den Tisch mit dem Wort "adopted" knallt, ist die Entscheidung gefallen. Jetzt gelte es, die Zusammenarbeit für eine gut vernetzte touristische Präsentation der Höhlen und Präsentationsorte der Eiszeitkunst in der Region deutlich zu verstärken.

"Die Welterbe-Anerkennung gibt der Region, die unter der Dachmarke Weltkultursprung zusammenarbeitet, neue, starke Impulse für eine nachhaltige touristische Entwicklung, welche die Fundorte und die Präsentationsorte der Eiszeitkunst in der Region stärker miteinander verknüpfen und für Touristen noch besser erlebbar machen will", sagte Landrat Scheffold. Hinzu kommen auf Antrag der Palästinenser die Altstadt und die "Patriarchengräber" von Hebron im Westjordanland, deren Aufnahme auf die rote Liste der gefährdeten Stätten von Israel heftig kritisiert wird.

Wenige Kilometer entfernt sitzt Heiner Scheffold, parteiloser Landrat des Alb-Donau-Kreises, im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeu-ren und verfolgt die Entscheidung aus Krakau per Livestream.

Die Anerkennung als Welterbe-Stätte betrifft die Höhlen Hohle Fels (Schelklingen/Alb-Donau-Kreis), Geißenklösterle und Sirgenstein (Blaubeuren/Alb-Donau-Kreis) - alle im Achtal gelegen - sowie die im Lonetal gelegenen Höhlen Bockstein (Rammingen/Alb-Donau-Kreis), Hohlenstein (Asselfingen/ Alb-Donau-Kreis) und Vogelherd (Niederstotzingen/Landkreis Heidenheim). "Die in den Höhlen gefundenen faszinierenden Artefakte aus Mammutelfenbein, wie der Löwenmensch, öffnen ein Fenster in die Vergangenheit unserer Spezies". Der Alb-Donau-Kreis mit seinen fünf und der Kreis Heidenheim mit einer Höhle gehören fortan zum Unesco-Weltkulturerbe. Sie soll sich vor allem um die Koordination, Information und touristische Vermarktung mit Blick auf die Welterbe-Stätten im Achtal und Lonetal sowie die Eiszeitkunst-Funde kümmern.

Präsentationsorte in der Region sind das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren, als Schwerpunktmuseum des Landes für die Altsteinzeit, der Archäopark Vogelherd bei Niederstotzingen und das Museum Ulm, das den Löwenmenschen beherbergt.

Als sich die ersten modernen Menschen vor mehr als 40.000 Jahren nach Europa ausbreiteten, hinterließen sie auf der Schwäbischen Alb die weltweit ältesten Zeugnisse figürlicher Kunst.

Die ersten Darstellungen von Menschen, Tieren und Mischwesen sind Beleg für die Entstehung des modernen menschlichen Geistes, der sich in Kunst, Symbolen, Musik, Ritualen und Glaubensvorstellungen ausdrückte. Weitere Links zum Thema In den Eiszeithöhlen fanden Forscher auch die als älteste Frauenfigur geltende "Venus vom Hohle Fels" - die rund 40.000 Jahre alte Dame mit den enormen Brüsten wurde 2008 bei Grabungen in der Hohlefels-Höhle entdeckt. Medien aus aller Welt zeigten die kleine Figur, die mittlerweile im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren zu sehen ist.