Tausende bei G20-Protest "Welcome to Hell"

Montag, 10 Jul, 2017

Hamburg - Die Lage im Hamburger Schanzenviertel ist in der Nacht zum Samstag nach gewaltsamen Protesten gegen den G20-Gipfel eskaliert. Es blieb bis zum Schluss weitgehend friedlich. Sie hat keine Rechtfertigung und kann nicht mit Verständnis rechnen", sagte er der "Bild"-Zeitung in der Samstagsausgabe".

Im Vorfeld der Demonstration waren Ausschreitungen befürchtet worden. Nach ersten Ausschreitungen bei der Kundgebung "Welcome to Hell" vom Donnerstagabend war es auch in der Nacht und am Morgen an vielen Stellen der Stadt zu Krawallen und Brandstiftungen gekommen. Der Einsatz dauerte bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe um Mitternacht noch an. Laut Polizei bewarfen sie die Beamten von einem Gerüst aus und schossen mit den Zwillen auf sie. Sie kritisierten, dass bereits Wasserwerfer und Räumfahrzeuge aufgefahren seien. Seit Donnerstag seien 196 Beamte verletzt worden.

Zuvor hatte es auf der Demostrecke Auseinandersetzungen mit etwa 120 Vermummten gegeben. Die Beamten seien dabei massiv getreten und mit Fahnenstangen geschlagen worden. Tausende von potentiellen Gewalttätern sind anlässlich des im Moment stattfindenden G20-Gipfels in Hamburg und halten die Polizei weiter auf Trab.

Inzwischen hat sich der Demonstrationszug auf seiner ursprünglichen Route weiterbewegt, die Polizei hat das erlaubt und begleitet die Demo.

Vor allem gegen ihn richtet sich der Zorn vieler Demonstranten. Linke Gruppen und Friedensinitiativen, aber auch Autonome und Linksextreme unterstützten sie. Zunächst konnten Randalierer mehrere Stunden lang an der Straße Schulterblatt frei gewähren. Ein Geschäft einer Drogerie-Kette und ein Supermarkt wurden geplündert. Steine und Flaschen prasseln auf Polizeifahrzeuge und Beamte. Die Polizei setzte wiederholt Wasserwerfer und Pfefferspray ein und trieb die rund 12 000 Teilnehmer auseinander.

"G20: Eine solche Nacht darf sich in unserem Rechtsstaat nicht wiederholen!", twitterte die Gewerkschaft der Polizei (GdP).

G20-Chaoten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei.

Zerstörte Straßen im Hamburger Schanzenviertel.

In der Nähe der Elbphilharmonie, wo sich die Staatsoberhäupter heute Abend treffen werden, kam es erneut zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Autonomen und der Polizei.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, legte dem Bürgermeister offen den Rücktritt nahe. "Wir wollen die Stärke des Rechts und nicht das Recht des Stärkeren", sagte Gabriel anschließend. Die Gewalt habe sich in zurückliegenden Jahren etablieren können. Scholz selbst äußerte sich sehr besorgt über die schweren Ausschreitungen und forderte gewalttätige Demonstranten zum sofortigen Rückzug auf. Es seien "zusätzliche Alarmierungsstufen" ausgelöst worden, sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). Die Geschäftsleuten hätten dies mit dem Schutz der Mitarbeiter angesichts der Bilder aus der Krawallnacht begründet.

Etwa 1000 Vermummte hatten sich nach Angaben der Polizei unter die Demonstranten gemischt - was die Polizei nicht duldete. Die Polizei habe Erkenntnisse gehabt, dass Gehwegplatten auf Dächern abgelegt und Brandflaschen vorbereitet worden seien. Polizeisprecher Timo Zill sprach am Freitagmorgen im Deutschlandfunk von einer drohenden "unbeherrschbaren Sicherheitssituation". An der Holstenstraße wurden Molotowcocktails auf Polizeibeamte geschleudert, am Springer-Hochhaus setzte die Polizei Wasserwerfer ein. Auf dem Rollladen eines Geschäfts stand "Chaostage Hamburg". Nach Angaben der Polizei waren im Bereich der Straße Schulterblatt, die zum linksautonomen Kulturzentrum Rote Flora führt, einige Demonstranten massiv unter anderem mit Zwillen bewaffnet.