Daimler steckt noch tiefer im Abgas-Skandal

Mittwoch, 12 Jul, 2017

Der Autobauer Daimler ist möglicherweise tiefer in die Diesel-Affäre verstrickt als bislang bekannt.

Das berichten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR. Betroffen seien mehr als eine Millionen Autos und Kleintransporter in den USA und Europa.

Stuttgart. Die Daimler AG soll rund eine Million Diesel-Pkw mit einem unzulässig hohen Schadstoffausstoß verkauft haben. Die Voraussetzungen für einen Widerruf der europaweiten Zulassung lägen vor, besagt der Beschluss. "Die Gefahr einer Stilllegungsverfügung sehen wir nicht", sagte Daimler-Sprecher aber.

Eine Daimler-Sprecherin versicherte erneut, dass das Unternehmen "vollumfänglich mit den Behörden" kooperieren wolle. Die Motoren sind in mehreren Fahrzeugserien verbaut, darunter in mehreren Mercedes-Klassen. Auf dessen Grundlage hatte es vor wenigen Wochen Razzien bei Daimler und anderen Firmen gegeben. Damit sei die Schadstoffreinigung bei den offiziellen Messungen der Behörden auf einem Prüfstand ein- und auf der Straße weitgehend ausgeschaltet worden. Im Durchsuchungsbeschluss heißt es demnach, Daimler habe die Abschalteinrichtung entgegen den Vorschriften dem Kraftfahrtbundesamt als Genehmigungsbehörde nicht offengelegt.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nach Messungen des KBA mit Daimler auf die Nachrüstung von lediglich 247.000 Mercedes-Fahrzeugen verständigt.

Die Autos und Kleintransporter mit den Motoren OM 642 und OM 651 seien wegen der Abschalteinrichtungen auf dem europäischen Markt nicht zulassungsfähig gewesen, steht in dem Beschluss.

Aus den Berichten des Rechercheverbunds geht weiter hervor, dass die Staatsanwaltschaft gegen zwei Daimler-Beschäftigte ermittelt wegen des Verdachts, Autokunden mit verbotener Werbung in die Irre geführt und betrogen zu haben.

Die Fahrzeugkäufer seien geschädigt worden.

Das Amtsgericht Stuttgart sieht in dem Beschluss eine Schädigung der Käufer gegeben - mindestens um den Betrag, den es koste, die Autos auf den zulässigen Stand zu bringen. Daimler wies diese Gefahr gegenüber der Zeitung aber zurück. Bei einer möglichen Rücknahme der Zulassung drohe den Kunden weitere Schäden. Das zuständige Kraftfahrt-Bundesamt habe bisher keinen Anlass zum Eingreifen gesehen.

Dobrindt setzt vielmehr auf die Einsicht der Konzerne, dass der Schadstoffausstoß vieler Fahrzeuge nachträglich gesenkt werden muss.

Daimler hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Das EU-Recht erlaube, die Abgasreinigung teilweise auszuschalten, um die Motoren zu schützen.