"Brexit": easyJet nimmt Kurs auf Österreich

Freitag, 14 Jul, 2017

Die britische Billigfluglinie Easyjet baut wegen des britischen EU-Ausstiegs ein zweites Standbein in Österreich auf.

Easyjet glaubt offenbar nicht daran, dass das sogenannte Open-Skies-Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU in seiner Form bestehen bleibt.

Momentan betreibt Easyjet rund 100 Jets sowie 4000 Mitarbeiter in den EU-Staaten abseits von Großbritannien. Ihr Einsatzort soll sich dabei nicht ändern. Eine Lizenz für die neu zu gründende Gesellschaft Easyjet Europe ist beantragt und soll in Bälde ausgestellt werden, bestätigte heute die Austro Control. Die Auswahlkriterien für den Regulator waren darauf ausgerichtet, den besten Partner für easyJet zu finden. "Wir sind im Prozess, die Lizenz zu bekommen, wann genau ist nicht abschätzbar", sagte Thomas Haagensen, Regional-Manager für die Region Österreich, Deutschland und die Schweiz.

Die Easyjet-Aktie reagierte unentschieden auf die Nachrichten und lag nach einigem Auf und Ab am späten Vormittag in London unverändert bei 1,409 Britischen Pence.

Damit solle sichergestellt werden, dass man nach dem Brexit den Flugbetrieb innerhalb der EU fortführen könne, teilte die Fluglinie mit.

Die Luftfahrtbranche bangt angesichts des ungewissen Ausgangs der Brexit-Verhandlungen um einen Fortbestand der bisherigen Regelungen. Es ermöglicht Airlines, beliebig in der EU hin und her zu fliegen, ohne dass die Ausgangsdestination im Heimatland liegt.

So viel Zeit haben die Airlines aber nicht, da sie ihre Flugpläne mit Zielen kreuz und quer in Europa ein Jahr vorher festzurren. Ein knappes Drittel der heutigen Fluggäste von Easyjet stammen aus den verbleibenden 27-EU-Ländern oder fliegen in beziehungsweise von diesen zu Ländern abseits von Großbritannien. Die Entscheidung sei auf Wien gefallen, da Austro Control einen strikten Kurs bei der Umsetzung von Sicherheitsrichtlinien verfolge, der dem von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) vorgegebenen Weg hin zu mehr leistungsorientierter Sicherheit voll entspreche.

Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) wiederum meinte: "Das ist eine Auszeichnung für den Standort Österreich". Easyjet befördert jährlich rund 78 Millionen Passagiere und bedient 874 Strecken zwischen 138 Flughäfen in 31 Ländern. Derzeit nämlich kann jede EU-Airline in jedes andere Mitgliedsland fliegen.

Mit der anvisierten neuen Unternehmensstruktur will Easyjet zu einer paneuropäischen Airline-Gruppe mit drei Fluggesellschaften in Österreich, der Schweiz und Grossbritannien sowie einem in Grossbritannien ansässigen Handels- und Dienstleistungsunternehmen werden. Weil die Schweiz bereits ein Open-Skies-Abkommen mit der EU hat, hatte Easyjet-Chefin Carolyn McCall ursprünglich auch einmal mit dem Gedanken gespielt, die Schweizer Tochter zu stärken. Easyjet plc soll weiterhin an der Londoner Börse notiert sein und ihren Sitz in Großbritannien haben.