Beschwerden innerhalb der Bundeswehr stark angestiegen

Samstag, 15 Jul, 2017

Das Verteidigungsministerium bestätigt einen Bericht, wonach die Zahl der Beschwerden von Soldatinnen und Soldaten in diesem Jahr stark gestiegen sind. Zunächst hatte die "Rheinische Post" darüber berichtet und berief sich auf Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2017 des Bundesverteidigungsministeriums.

Im Zuge der öffentlichen Diskussion um mehrere Skandale bei der Bundeswehr hat auch die Zahl der internen Beschwerden über sexuelle Belästigung, rechtsextreme Auswüchse und Fehlverhalten von Vorgesetzten massiv zugenommen. In den vergangenen Monaten hatten unter anderem Berichte über sexuelle Praktiken am Bundeswehr-Standort Pfullendorf und über einen terrorverdächtigen Empörung ausgelöst. Ende April wurde zudem bekannt, dass der Offizier Franco A. monatelang ein Doppelleben als syrischer Flüchtling geführt und offenbar rechtsextremistisch motivierte Anschläge geplant hatte.

Am deutlichsten zeigt sich demnach die Entwicklung bei Verdachtsfällen von Fehlverhalten Vorgesetzter gegenüber Untergebenen. Während 2016 nur 28 solche Fälle gemeldet wurden, waren es bis zum 9. Juli 2017 schon doppelt so viele. Im Bereich sexuelle Selbstbestimmung wurde mit 127 gemeldeten Verstößen das Vorjahresniveau bereits jetzt erreicht. In letzter Zeit häufen sich auch die internen Beschwerden. Zu Vorkommnissen mit rechtsextremem beziehungsweise fremdenfeindlichem Hintergrund hat das Ministerium bereits im ersten Halbjahr 96 Verdachtsanzeigen gelistet - nach 63 im gesamten Vorjahr. Dieses sei im ersten Quartal 2017 verändert worden und ermögliche nun, dass Beschwerden "schneller und umfangreicher nach oben geleitet" würden. Ein Ministeriumssprecher sieht als Grund dafür ein gestiegenes Bewusstsein für Fehlverhalten in der Truppe. "Atmosphärisch ist es so, dass die aktuellen Diskussionen in der Öffentlichkeit und in der Bundeswehr es den Betroffenen erleichtern, Dinge anzusprechen".

Gemeldet worden seien nicht nur neue Fälle, sondern auch eine Vielzahl alter Vorkommnisse, "die aus der Perspektive der Betroffenen zuvor noch nicht angemessen bearbeitet oder gewürdigt wurden", sagte ein Ministeriumssprecher der "Rheinischen Post".